Ätna-Ausbruch verdunkelt den Himmel – aber die Hitze vertreibt er nicht

Der Ätna-Ausbruch trübt lokal den Himmel und dämpft die Sonne. Eine Wetterwende für Süditalien löst die Asche aber nicht aus.

Feine Asche aus dem Ätna-Ausbruch kann den Himmel über Sizilien milchig färben und die Sonne kurz dämpfen – eine großräumige Abkühlung löst sie aber nicht aus. © NASA via Wikimedia Commons unter Public domain

Feine Asche aus dem Ätna-Ausbruch kann den Himmel über Sizilien milchig färben und die Sonne kurz dämpfen – eine großräumige Abkühlung löst sie aber nicht aus. © NASA via Wikimedia Commons unter Public domain

Der aktuelle Ätna-Ausbruch sorgt auf Sizilien für Asche, getrübtes Sonnenlicht und einen ungewohnten Himmel. Für manche Orte am Vulkan kann sich das Wetter dadurch kurz anders anfühlen: weniger direkte Sonne, schlechtere Sicht, feine Partikel auf Straßen und Balkonen. Eine echte Abkühlung für Süditalien oder den Mittelmeerraum entsteht daraus aber nicht. Dafür reicht die Kraft dieses Ausbruchs nicht aus, auch wenn die Bilder spektakulär wirken.

Das berichtet das italienische Wetterportal Meteoweb. Die Aschewolke steigt demnach mehr als einen Kilometer über den Gipfel und zieht mit dem Wind vor allem nach Süden und Südosten. Betroffen sind daher hauptsächlich die Region rund um den Ätna und der ionische Teil Siziliens. Dort kann die Vulkanasche den Alltag stören. Sie legt sich auf Autos, verschmutzt Straßen und kann empfindliche Atemwege reizen.

Warum der Ätna-Ausbruch nur örtlich stark wirkt

Für das Wetter über Süditalien sind weiterhin Hochdruckgebiete, Luftströmungen und Gewitterlagen verantwortlich. Der Ätna verändert diese großen Bewegungen der Luft nicht. Seine Asche bleibt bei solchen Ausbrüchen in der unteren Atmosphäre, also in jener Schicht, in der auch Wolken, Regen und Gewitter entstehen. Dort kann sie den Himmel trüben, aber keine Wetterlage über dem Mittelmeer umstellen.

Wenn es in manchen Regionen gerade kühler wird, liegt das laut dem Bericht an normalen meteorologischen Vorgängen. Dazu gehören frischere Luft aus anderen Richtungen, weniger stabile Hochdrucklagen oder lokale Gewitter. Der Vulkan liefert also ein sichtbares Ereignis, doch die Temperaturkurve folgt weiter dem Wettergeschehen. Der Unterschied ist wichtig, weil Asche am Himmel schnell den Eindruck erzeugt, ein Vulkan könne die Hitze vertreiben.

Was Vulkanasche kurzfristig verändern kann

Unter einer dichten Aschewolke kommt weniger Sonnenlicht am Boden an. Das kann die Höchsttemperaturen in betroffenen Orten um wenige Grad senken. Der Effekt ähnelt einem dünnen Wolkenschleier: Die Sonne scheint weiter, aber sie wirkt schwächer. Für Menschen in der Nähe kann sich der Tag deshalb etwas angenehmer anfühlen.

Der Effekt bleibt aber kurzlebig. Schon eine andere Windrichtung oder eine dünnere Aschewolke reicht, und die gewohnte Sonneneinstrahlung kehrt zurück. Daraus wird keine stabile Abkühlung.

Auch Niederschlag kann sich verändern, wenn sich Asche mit Feuchtigkeit mischt. Dann fällt Regen, der Staub und Partikel mit nach unten bringt. In höheren Lagen kann Schnee dunkler erscheinen. Solche Phänomene fallen stark auf, bleiben aber an die direkte Umgebung der Aschewolke gebunden.

Warum große Vulkane das Klima anders beeinflussen

Vulkane können tatsächlich das Klima verändern, doch dafür braucht es Ausbrüche in einer anderen Liga. Historische Beispiele sind der Tambora im Jahr 1815 und der Pinatubo im Jahr 1991. Solche Eruptionen schleuderten riesige Mengen an Partikeln und Schwefelverbindungen in große Höhen. Dort können sich feine Schwefelaerosole bilden, die Sonnenlicht reflektieren und die Erde vorübergehend etwas abkühlen.

Der Ätna verhält sich anders. Er gehört zu den aktivsten Vulkanen Europas, doch seine normalen Ausbrüche bleiben meist regional begrenzt. Die Asche sinkt ab, verteilt sich mit dem Wind oder wird durch Niederschlag ausgewaschen. Was am Boden lästig und sichtbar ist, erreicht nicht automatisch jene Höhe, in der ein globaler oder großräumiger Klimaeffekt entstehen kann.

Der Unterschied zwischen lokalem Wettereffekt und Klimaeinfluss lässt sich an drei Punkten festmachen:

  • Höhe: Klimawirksame Partikel müssen sehr weit nach oben gelangen.
  • Menge: Es braucht enorme Mengen an Schwefelverbindungen.
  • Dauer: Die Teilchen müssen lange in der Atmosphäre bleiben.

Beim Ätna-Ausbruch fehlen diese Voraussetzungen im üblichen Verlauf. Deshalb kann der Vulkan zwar einen milchigen Himmel erzeugen, aber keine Sommerhitze aus dem Mittelmeerraum schieben.

Der Himmel wirkt anders, die Wetterlage bleibt

Für Sizilien bleibt der Ausbruch trotzdem von Bedeutung. Vulkanasche ist kein harmloser Staub, wenn sie in größeren Mengen niedergeht. Sie kann Flughäfen, Verkehr und Reinigungsarbeiten beeinflussen. Auch Landwirtschaft und Tourismus spüren solche Ausbrüche, wenn Asche auf Felder, Wege oder Terrassen fällt. Die unmittelbaren Folgen sind also sehr real, nur eben nicht mit einer flächigen Wetteränderung gleichzusetzen.

Der aktuelle Ätna-Ausbruch zeigt damit vor allem, wie leicht sichtbare Naturereignisse mit großräumigen Wettereffekten verwechselt werden. Ein getrübter Himmel bedeutet nicht automatisch kühlere Luftmassen. Die Hitze im Süden Europas hängt weiter davon ab, ob warme Luft aus Nordafrika einströmt, ob Atlantikluft Raum gewinnt oder ob Gewitter die Luft kurz durchmischen.

Kurz zusammengefasst:

  • Der aktuelle Ätna-Ausbruch kann den Himmel über Teilen Siziliens trüben, Sonnenlicht abschwächen und lokal für etwas niedrigere Temperaturen sorgen.
  • Eine großräumige Abkühlung Süditaliens entsteht dadurch nicht, weil die Asche in unteren Luftschichten bleibt und keine regionalen Luftmassen verändert.
  • Klimaeffekte wie nach Tambora oder Pinatubo entstehen nur bei sehr großen explosiven Vulkanausbrüchen, die enorme Mengen Schwefelpartikel in hohe Atmosphärenschichten schleudern.

Übrigens: Der Ätna kann nicht nur Asche in den Himmel schicken – seine Flanken gelten auch als möglicher Auslöser gefährlicher Wellen im Mittelmeer. Forscher untersuchen deshalb, wie Europas Küsten bei Tsunamis schneller gewarnt werden können. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © NASA via Wikimedia unter Public domain

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