Erster autonomer E-Bus fährt jetzt regulär in Spanien

In Madrid fährt Spaniens erster autonomer On-Demand-Bus regulär – elektrisch, per App buchbar und in einem großen Logistikzentrum.

Spaniens erster autonomer On-Demand-Bus fährt auf dem Gelände von Mercamadrid im regulären Betrieb – elektrisch, per App buchbar und überwacht.

Spaniens erster autonomer On-Demand-Bus fährt auf dem Gelände von Mercamadrid im regulären Betrieb – elektrisch, per App buchbar und überwacht. © Projekt Mobilities For EU / Alsa Madrid

Ab 4.30 Uhr wird es auf dem Gelände von Mercamadrid eng. Lieferwagen fahren vor, Beschäftigte wechseln zwischen Hallen, Haltestellen und Zufahrten. Mehr als 20.000 Menschen und rund 15.000 Fahrzeuge bewegen sich dort täglich. Mitten in diesem Betrieb fährt nun ein Bus, der ohne klassischen Fahrer unterwegs ist.

Nach Angaben des Steinbeis Europa Zentrums hat Spaniens erster autonomer On-Demand-Bus dort den regulären Fahrgastbetrieb aufgenommen. Der autonome Bus in Madrid ist vollelektrisch, per App buchbar und Teil des EU-Projekts MOBILITIES FOR EU. Anders als viele frühere Shuttle-Vorführungen fährt er nicht auf einem abgesperrten Testkurs, sondern in einer realen Arbeitsumgebung.

Autonomer Bus in Madrid fährt mitten durch Mercamadrid

Mercamadrid ist der größte Lebensmittelgroßmarkt Spaniens. Das Gelände funktioniert wie eine kleine Verkehrswelt: Lieferverkehr, Fußgänger, Beschäftigte, Haltestellen, Zufahrten. Für autonome Fahrzeuge ist das anspruchsvoller als eine kurze Demo-Strecke in einem ruhigen Stadtquartier.

Der neue Service soll Beschäftigte und Besucher über das weitläufige Areal bringen. Morgens fährt der Elektrobus nach festem Plan. Diese Phase deckt die Hauptverkehrszeit zwischen 4.30 Uhr und 9.00 Uhr ab. Danach wechselt das System in den Abrufbetrieb.

App lenkt den Bus flexibel über das Gelände

Zwischen 9.00 Uhr und 10.30 Uhr buchen Fahrgäste ihre Fahrt über die App „Alsa Mobilities“. Sie wählen Start und Ziel aus. Das System sammelt die Anfragen und berechnet daraus die passende Route. Der Bus fährt also nicht starr im Kreis, sondern passt seine Strecke an die Nachfrage an.

Gerade auf großen Betriebsgeländen kann das Zeit sparen. Wer nicht bis zur nächsten festen Verbindung warten muss, kommt schneller zur Halle, zum Arbeitsplatz oder zur nächsten Anschlusslinie. Gleichzeitig kann der Betreiber Fahrten bündeln und Leerfahrten vermeiden.

Der Elektrobus nimmt mehr als 30 Fahrgäste mit

Der Bus fährt vollelektrisch und verursacht vor Ort keine Abgase. Er bietet Platz für mehr als 30 Menschen. Damit unterscheidet er sich von vielen autonomen Shuttlefahrzeugen, die oft kleiner sind und eher wie Testkapseln wirken. In Mercamadrid geht es um ein Fahrzeug, das näher an einem klassischen Linienbus liegt.

An Bord arbeitet viel Technik mit. Dazu gehören 5G, mehrere LiDAR-Sensoren, Kameras, Ultraschallsensoren und eine hochpräzise Positionsbestimmung. Der Bus erfasst damit seine Umgebung, erkennt Hindernisse und reagiert auf andere Verkehrsteilnehmer. Eine geschulte Aufsichtsperson begleitet den Betrieb derzeit noch im Fahrzeug.

Level-4-Technik bleibt klar begrenzt

Das Fahrzeug ist auf SAE-Level 4+ ausgelegt. Es kann unter definierten Bedingungen hochautomatisiert fahren. Der Einsatz bleibt aber räumlich begrenzt. Der Bus fährt nicht frei durch ganz Madrid, sondern auf dem Gelände von Mercamadrid.

In späteren Projektphasen soll eine Fernüberwachung aus einem Kontrollzentrum in Madrid folgen. Dann könnte die Begleitung im Fahrzeug Schritt für Schritt durch Kontrolle aus der Distanz ersetzt werden. Für Betreiber ist das ein wichtiger Punkt. Erst dann lässt sich abschätzen, ob autonome Busse im Alltag wirtschaftlich skalierbar werden.

Autonomer Bus aus Madrid liefert Daten für Europas Städte

Der Betrieb gehört zum EU-Projekt MOBILITIES FOR EU. Beteiligt sind sieben Städte. Madrid und Dresden übernehmen die Rolle der Leitstädte. Ioannina, Espoo, Danzig, Trenčín und Sarajevo sollen passende Lösungen übernehmen und an ihre eigenen Verkehrsprobleme anpassen.

Insgesamt laufen elf Pilotvorhaben mit 27 Mobilitätslösungen. Dazu zählen autonome Fahrdienste, elektrische Busflotten, intelligente Systeme für Verkehr und Parken sowie smarte Logistik. Der autonome Bus in Madrid ist damit ein Baustein in einem größeren europäischen Testfeld.

Dresden testet mit Madrid neue Mobilität

Das Steinbeis Europa Zentrum begleitet das Projekt unter anderem bei Kommunikation, Geschäftsmodellen und Marktanalysen. Dabei geht es um eine praktische Frage: Wie wird aus einem Pilotprojekt ein Angebot, das Städte wirklich nutzen können?

Entscheidend sind nicht nur Sensoren und Software. Betreiber müssen klären, wer bezahlt, wer genehmigt, wer haftet und ob Menschen einem solchen System vertrauen. In Madrid wurde der neue Dienst mit den bestehenden Buslinien der EMT Madrid abgestimmt. So bleibt der Elektrobus kein isolierter Versuch, sondern ergänzt das vorhandene Verkehrsnetz rund um Mercamadrid.

Kurz zusammengefasst:

  • Spaniens erster autonomer On-Demand-Bus fährt regulär auf dem Gelände von Mercamadrid, dem größten Lebensmittelgroßmarkt des Landes.
  • Der Elektrobus nimmt mehr als 30 Fahrgäste mit, fährt morgens nach Fahrplan und lässt sich danach per App buchen.
  • Der Betrieb bleibt räumlich begrenzt und wird überwacht, liefert aber wichtige Erfahrungen für autonome Busse im Alltag.

Übrigens: Auch in Deutschland arbeiten Forscher daran, autonome Fahrzeuge sicherer zu machen – eine neue KI erkennt gestörte Sensordaten bei Nebel, Regen oder Schnee und stoppt im Zweifel das Fahrzeug. Warum diese Selbstkontrolle für autonomes Fahren im Alltag entscheidend werden könnte, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Projekt Mobilities For EU / Alsa Madrid

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