Forstmaschinen richten großen Schaden im Waldboden an – einfache Matten könnten ihn retten

Matten auf dem Waldboden können Schäden durch Forstmaschinen deutlich verringern. Eine Studie zeigt, wie sie Verdichtung im Boden bremsen.

Schützende Auflagen auf dem Waldboden, können die Schadeinwirkungen deutlich reduzieren.

Schützende Matten auf dem Waldboden reduzieren die schädlichen Auswirkungen von Forstmaschinen deutlich. © Ingo Siebert

Tiefe Fahrspuren im Wald gelten oft als unvermeidbare Folge der Holzernte. Doch das eigentliche Problem liegt nicht in der sichtbaren Spur, sondern darunter. Schon wenige Fahrten mit Forstmaschinen können den Waldboden so stark verdichten, dass Wasser schlechter versickert, Wurzeln kaum noch wachsen und Bodenorganismen ihren Lebensraum verlieren.

Neue Messungen zeigen, wie weit diese Schäden reichen. Selbst leichtere Maschinen belasten den Boden oft über Jahre. Doch es gibt eine einfache Möglichkeit, die Folgen deutlich zu mindern: Matten auf dem Waldboden verteilen den Druck besser und schützen empfindliche Flächen spürbar.

Waldboden leidet massiv: Verdichtung reicht tief unter die Oberfläche

Eine Untersuchung der Universität Trier zusammen mit den Landesforsten Rheinland-Pfalz zeigt, wie stark Maschinen den Boden verändern. Nach einer Überfahrt entstehen Spurrillen von rund 1,8 Zentimetern. Nach fünf Überfahrten vertiefen sie sich auf bis zu 3,5 Zentimeter. Der Druck im Boden steigt auf bis zu 70 Kilopascal in zehn Zentimetern Tiefe.

Der Boden verliert dabei an Stabilität. Große Poren brechen zusammen. Wasser versickert schlechter. Auch die Struktur leidet deutlich. Nach einer Überfahrt sinkt sie um etwa 20 Prozent. Nach fünf Überfahrten liegt der Verlust bei über 34 Prozent. Die Wasserleitfähigkeit fällt drastisch, von rund 573 auf nur noch 63,6 Zentimeter pro Tag.

„Zum Teil wird der Boden bei Befahrung nahezu durchgeknetet“, sagt Bodenkundler Dr. Raimund Schneider. Die Schäden reichen tief: Wurzeln wachsen schlechter, Luft fehlt im Boden, und Lebensräume für Organismen verschwinden oft für Jahrzehnte.

Matten auf dem Waldboden verteilen Druck deutlich besser

In den Versuchen kamen spezielle Kunststoffmatten zum Einsatz. Sie liegen zwischen Maschine und Boden und verteilen den Druck. Die Effekte:

  • Mit Matten sinkt die Spurtiefe nach fünf Überfahrten auf etwa 0,5 Zentimeter
  • Selbst nach zehn Überfahrten bleiben es nur rund 1,2 Zentimeter
  • Der Bodendruck reduziert sich auf etwa 4,4 bis 7,1 Kilopascal

Ohne Schutz fällt die Belastung deutlich stärker aus. Eine einzige Überfahrt kann in etwa so viel Schaden anrichten wie mehrere Fahrten über Matten. Die Forschenden schreiben, dass das System die Bodenschädigung spürbar verringert, auch wenn es sie nicht vollständig verhindert. Das gilt nicht nur für die Oberfläche. Auch in tieferen Schichten bleibt der Boden anfangs deutlich stabiler, weil zunächst kaum Druck nach unten weitergegeben wird.

So sehen die Matten im Einsatz aus. © Ingo Siebert
Ingo Siebert So sehen die Matten im Einsatz aus. © Ingo Siebert

Leichte Maschinen sind keine Lösung

Viele Forstbetriebe arbeiten inzwischen mit kleineren Maschinen, weil sie als bodenschonender gelten. Die Messwerte passen dazu aber nur bedingt. Schon Geräte mit rund 2,5 Tonnen Gewicht erzeugen einen Druck von etwa 14 bis 15 Kilopascal. Damit liegen sie nur knapp unter schwereren Fahrzeugen. Wiederholte Überfahrten verschärfen die Belastung zusätzlich. „Selbst leichte Maschinen beeinträchtigen Waldböden, wenn keine Schutzsysteme eingesetzt werden“, so die Experten.

Besonders kritisch sind feuchte Böden. Sie geben schneller nach und reagieren empfindlicher. Auch Drehbewegungen erhöhen die Belastung. In solchen Bereichen erreicht die Bodendichte besonders hohe Werte.

Neue Technik im Wald bringt neue Probleme

Der Einsatz von Maschinen im Wald bleibt notwendig. Schwere Stämme lassen sich kaum anders bewegen. Deshalb fahren große Maschinen meist auf festen Rückegassen im Abstand von etwa 40 Metern.

Auch der Einsatz kleinerer Technik nimmt zu. Forstraupen übernehmen immer mehr Aufgaben, etwa bei Pflanzungen zwischen den Fahrspuren. Das erleichtert die Arbeit, erhöht aber den Druck auf bisher unberührte Böden. „Es ist wichtig, dass Forschung und Forstpraxis gemeinsam Strategien entwickeln, um Waldböden zu schützen“, sagt Geowissenschaftler Dr. Björn Klaes.

Risse im Boden sorgen für Diskussionen

Ein überraschender Effekt zeigt sich bei häufiger Nutzung der Matten. Im Boden entstehen feine Risse. Sie verbessern kurzfristig den Luft- und Wassertransport.

Das wirkt zunächst positiv. Die Einordnung fällt jedoch vorsichtig aus. „Diese Strukturen sollten nicht als Verbesserung missverstanden werden.“ Sie entstehen durch Belastung und nicht durch natürliche Erholung. Langfristig bleibt es ein menschlicher Eingriff. Der Unterschied liegt vor allem darin, wie stark der Boden geschädigt wird.

Nach den bisherigen Ergebnissen lohnt sich der Einsatz vor allem auf feuchten und empfindlichen Böden, bei der Ernte hochwertiger Bäume und auf Standorten, auf denen der Bodenschutz besonders wichtig ist.

Ingo Siebert von den Landesforsten sagt: „Das Mattensystem bietet einen relativ guten Schutz.“ Erste Tests zeigen zudem, dass sich der Boden nach der Nutzung schneller erholen könnte. Langzeitdaten stehen jedoch noch aus.

Kurz zusammengefasst:

  • Schon wenige Überfahrten von Forstmaschinen führen zu einer tiefreichenden Verdichtung im Waldboden, die Wasserfluss, Luftzufuhr und Wurzelwachstum über Jahre beeinträchtigt.
  • Matten auf dem Waldboden verteilen den Druck deutlich besser und reduzieren Schäden massiv: Eine Fahrt ohne Schutz entspricht etwa fünf Fahrten mit Matten.
  • Selbst leichte Maschinen verursachen erhebliche Schäden, weshalb Schutzsysteme und vorsichtige Nutzung entscheidend für gesunde und stabile Wälder sind.

Übrigens: Während Matten den Waldboden vor Verdichtung schützen, zeigt eine neue Analyse, dass auch Aufforstung kein Selbstläufer ist – ihr Klimaeffekt hängt stark vom Standort ab. Selbst Milliarden neue Bäume kühlen die Erde oft nur begrenzt, in manchen Regionen kann es sogar wärmer werden. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Ingo Siebert

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