Nach Herzstillstand: Neuer Bluttest zeigt Risiko für Hirnschäden schon nach 48 Stunden

Ein neuer Bluttest erkennt nach einem Herzstillstand früh das Risiko für Hirnschäden und sagt kognitive Folgen Monate später deutlich präziser voraus.

Mann hält sich die Hand an die Brust

Ein neuer Blutmarker kann nach einem Herzstillstand früh Hinweise auf das Risiko für kognitive Einschränkungen und mögliche Hirnschäden liefern. © Freepik

Nach einem Herzstillstand soll schnell Gewissheit herrschen: Ärzte müssen oft schon nach kurzer Zeit einschätzen, wie stark das Gehirn betroffen ist. Davon hängen Therapie, Reha und Gespräche mit Angehörigen ab. Doch diese Prognose bleibt bisher unsicher. Hirnschäden zeigen sich oft erst später klar. Ein neuer Blutwert könnte diese Lücke schließen und schon früh Hinweise liefern, wie sich die geistige Leistungsfähigkeit entwickelt.

Im Klinikalltag nutzen Mediziner bislang einen etablierten Marker im Blut, die neuronenspezifische Enolase (NSE). Dieser soll Schäden im Gehirn anzeigen. Doch der Wert ist fehleranfällig. Auch andere Prozesse im Körper können ihn erhöhen. Das erschwert die Prognose. Neue Daten zeigen nun, dass ein anderer Blutwert deutlich zuverlässiger sein könnte.

Blutproben liefern klare Unterschiede

Die Untersuchung basiert auf Daten einer großen Patientengruppe nach einem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses. Insgesamt wurden 789 Fälle erfasst. Für die genaue Analyse lagen bei 195 Überlebenden vollständige Daten vor. Alle Patienten waren bei der Aufnahme bewusstlos. Die Blutproben wurden 48 Stunden nach dem Ereignis entnommen. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Betroffenen noch im Krankenhaus.

Verglichen wurden zwei Marker im Blut. Zum einen der bisher genutzte Standardwert NSE. Zum anderen die sogenannte Neurofilament-Leichtkette. Dieser Stoff stammt direkt aus geschädigten Nervenzellen.

Neuer Blutwert erkennt Risiko für Hirnschäden nach Herzstillstand

Höhere Werte der Neurofilament-Leichtkette (NfL) stehen in direktem Zusammenhang mit späteren kognitiven Einschränkungen. Je höher der Wert, desto schlechter schnitten die Betroffenen Monate später in Gedächtnis- und Denktests ab. Der bisherige Standardmarker zeigte diesen Zusammenhang nicht. Seine Werte ließen keine verlässliche Vorhersage zu.

Studienleiter Martin Meyer erklärt: „Der bisherige Marker ist nicht zuverlässig, da auch andere Faktoren zu hohen Werten führen können.“ Zum neuen Blutwert sagt er: „Die Neurofilament-Leichtkette hat eine bessere diagnostische Aussagekraft.“

Frühe Messung verbessert Einschätzung der Hirnfunktion deutlich

Ein wichtiger Vorteil liegt im frühen Einsatz. Der neue Blutwert wird bereits zwei Tage nach dem Herzstillstand gemessen. Damit liefert er deutlich früher Hinweise als viele bisherige Verfahren.

Die kognitive Leistungsfähigkeit wurde später mit einem standardisierten Test bewertet. Dieser reicht von 0 bis 30 Punkten. Werte ab 26 gelten als unauffällig. Im Durchschnitt erreichten die Patienten 27 Punkte.

Dennoch gab es klare Unterschiede innerhalb der Gruppe. Diese Unterschiede lassen sich durch den neuen Blutwert besser einordnen. Der Zusammenhang zwischen Wert und späterer Hirnleistung gilt als statistisch gesichert.

Bluttest unterstützt präzisere Prognosen

Der neue Marker könnte den Klinikalltag spürbar verändern. Ärzte sind damit in der Lage, früher zu erkennen, welche Patienten ein erhöhtes Risiko für Hirnschäden haben. Das bringt konkrete Vorteile:

  • Reha-Maßnahmen lassen sich gezielter planen
  • Angehörige erhalten frühere und realistischere Einschätzungen
  • Weitere Untersuchungen können besser abgestimmt werden

„Die Werte stehen in Zusammenhang mit der kognitiven Entwicklung über Monate hinweg“, so Meyer. Zum bisherigen Verfahren ergänzt er: „Diese Verbindung wurde beim bisherigen Marker nicht beobachtet.“

Weitere Prüfungen bleiben nötig

Die Ergebnisse stammen aus einer wissenschaftlichen Untersuchung und werden als Originaldaten auf dem Fachkongress ESC Acute CardioVascular Care 2026 vorgestellt, einem Treffen der European Society of Cardiology. Der neue Bluttest gehört noch nicht zur Routine. Fachleute sehen dennoch großes Potenzial.

Bevor das Verfahren breit eingesetzt wird, sind weitere Prüfungen nötig. Die Messmethoden müssen vereinheitlicht werden. Erst dann lässt sich der Test im medizinischen Alltag zuverlässig einsetzen.

Kurz zusammengefasst:

  • Nach einem Herzstillstand entscheidet die Hirnfunktion über die Lebensqualität, doch die Prognose bleibt bisher ungenau – ein neuer Blutwert könnte schon nach 48 Stunden zeigen, wie hoch das Risiko für Hirnschäden ist.
  • Die Neurofilament-Leichtkette steht klar mit späteren Denk- und Gedächtnisproblemen in Verbindung, während der bisherige Standardmarker keine verlässliche Aussage liefert.
  • Der Test könnte Ärzte früh bei Therapie, Reha und Beratung unterstützen, muss aber noch weiter geprüft werden, bevor er zur Routine wird.

Übrigens: Während ein neuer Bluttest nach einem Herzstillstand frühe Hinweise auf Hirnschäden liefert, könnte ein anderer Marker Demenz schon Jahrzehnte vor den ersten Symptomen anzeigen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Freepik

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