Mücken riechen Gefahr – Wie Borneol sie sofort vertreibt
Borneol aus Rosmarin und Kampferbaum löst bei Mücken Flucht aus. Eine Studie zeigt, wie ihr Gehirn diesen Duft als Gefahr erkennt.
Aedes aegypti überträgt Dengue- und Gelbfieber-Viren. Neue Erkenntnisse zu ihrem Geruchssinn könnten helfen, Mücken gezielter zu vertreiben. © Unsplash
Pflanzliche Duftstoffe werden seit Jahrhunderten genutzt, um Stechmücken fernzuhalten. Doch lange blieb unklar, was diese Stoffe im Gehirn der Insekten eigentlich auslösen. Ein internationales Forschungsteam hat nun den Mechanismus entschlüsselt. In der Fachzeitschrift Nature Communications beschreiben die Wissenschaftler der Baylor University, wie der Pflanzenstoff Borneol im Geruchssystem von Mücken eine Art Alarmreaktion aktiviert – und die Insekten dadurch Abstand vom Menschen nehmen.
Borneol kommt in mehreren aromatischen Pflanzen vor, etwa im Kampferbaum oder in Rosmarin. Für Menschen riecht er frisch und angenehm. Stechmücken dagegen „riechen“ darin offenbar Gefahr. Die Studie beschreibt erstmals genau, wie dieser Duftstoff im Nervensystem der Insekten ein Ausweichsignal auslöst. Dieses Wissen könnte helfen, künftig gezieltere und wirksamere Mittel gegen Stechmücken zu entwickeln.
Wie Borneol im Geruchssystem der Mücke Alarm auslöst
Besonders stark reagiert die weltweit verbreitete Stechmücke Aedes aegypti auf diesen Duftstoff. Diese Art gilt als wichtiger Überträger von Dengue- und Gelbfieberviren. In ihrem Geruchssystem besitzt sie einen Sensor, der speziell auf Borneol anspricht.
Dieser Sensor namens OR49 sitzt in einer einzelnen Nervenzelle eines kleinen Geruchsorgans nahe dem Mundwerkzeug. Dieses Organ heißt Maxillarpalpus. Sobald der Duftstoff in der Luft auftaucht, reagiert diese Nervenzelle sofort. Laut dem Mitautor der Studie, Jason Pitts, Biologe an der Baylor University, besitzen Mücken damit offenbar ein eingebautes Warnsystem für Borneol.
Warum Borneol Mücken viel stärker abschreckt als Campher
Die Forscher untersuchten dabei auch mehrere Duftstoffe aus der Gruppe der bicyclischen Monoterpenoide – dazu gehören Campher und Borneol. In den Experimenten erwies sich Borneol als deutlich stärker: Der Stoff wirkte 19- bis 32-mal potenter als Campher und aktivierte die zuständige Nervenzelle bereits in sehr niedriger Konzentration.
Schon kleine Mengen reichten aus, um die Alarmreaktion im Nervensystem der Mücke auszulösen. Beide chemischen Varianten von Borneol zeigten dabei nahezu die gleiche Wirkung.
Ein direkter Draht zum Mückengehirn
Der Duftstoff löst keine unspezifische Reaktion aus. Das Signal nimmt einen klaren Weg durch das Nervensystem der Mücke. Die aktivierte Nervenzelle leitet ihre Information in eine Struktur des Gehirns weiter, den MD3-Glomerulus. Dieser Bereich gehört zum Antennenlappen – einem Zentrum, in dem Geruchssignale verarbeitet werden.
Der Signalweg wirkt wie eine direkte Leitung für pflanzliche Abwehrstoffe. Andere Gerüche nutzen andere Kanäle. Dazu zählen etwa Kohlendioxid aus der Atemluft, Körperwärme oder bestimmte Hautgerüche. Diese Hinweise helfen Mücken, einen Menschen aufzuspüren.
Borneol hat die entgegengesetzte Wirkung. Für die Insekten wirkt der Duft wie ein Warnsignal. Sie drehen ab und halten Abstand.
Ein genetischer Eingriff bringt die Erklärung
Um sicherzugehen, griff das Forschungsteam in das Erbgut der Mücken ein. Der Rezeptor OR49 wurde gezielt ausgeschaltet. Danach beobachteten die Wissenschaftler, wie die Tiere auf Borneol reagieren. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Die Nervenzellen reagierten kaum noch auf den Duftstoff. Gleichzeitig verlor sich das typische Ausweichverhalten. Die Mücken näherten sich wieder häufiger einem Menschen. Damit ließ sich klar zeigen, welche Rolle dieser einzelne Geruchsrezeptor spielt.
Viele gängige Mückenschutzmittel wirken eher breit und beeinflussen mehrere Sinneskanäle zugleich. Der neue Befund legt einen gezielteren Weg nahe. „Da die abschreckende Wirkung über den OR49-Rezeptor so stark ist, könnten wir weitere flüchtige Gerüche identifizieren, die denselben Rezeptor aktivieren und Mücken von Menschen wegdrängen“, erklärt Pitts.
Ein Stoff, der genau diesen Rezeptor aktiviert, würde die Abwehrreaktion direkt im Nervensystem auslösen. Er müsste weder besonders intensiv riechen noch andere Sinnesprozesse stören. Dadurch könnten künftig präzisere und zugleich besser verträgliche Mittel entstehen, um Mücken fernzuhalten.
Kurz zusammengefasst:
- Der Pflanzenstoff Borneol wird von Stechmücken über einen speziellen Geruchsrezeptor namens OR49 erkannt und löst im Gehirn der Insekten eine sofortige Fluchtreaktion aus.
- Schalten Forscher diesen Rezeptor genetisch aus, reagieren die Mücken kaum noch auf den Duft und meiden Menschen deutlich seltener.
- Die Studie erklärt erstmals, warum bestimmte Pflanzenstoffe Mücken vertreiben – und könnte zu gezielteren, wirksameren Mückenschutzmitteln führen.
Übrigens: Während Forscher gerade entschlüsseln, wie ein Duftstoff Mücken vertreibt, zeigt eine Studie aus Brasiliens Atlantischem Regenwald, dass schrumpfende Lebensräume ihr Stechverhalten verändern und Menschen häufiger zur Blutquelle werden. Warum Artenverlust das Infektionsrisiko selbst in Schutzgebieten erhöht, mehr dazu in unserem Artikel.
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