Parodontitis und Karies treiben das Schlaganfall-Risiko in die Höhe

Große US-Studie mit 5.986 Erwachsenen zeigt: Parodontitis und Karies erhöhen das Schlaganfall-Risiko um bis zu 86 Prozent.

Zahnarztbesuch

Regelmäßige Zahnarztbesuche könnten mehr bewirken als gesunde Zähne – sie stehen in der Studie mit einem deutlich geringeren Risiko für schwere Gefäßerkrankungen in Verbindung. © Unplash

Schlaganfälle gehören in Deutschland zu den häufigsten Ursachen für Tod und dauerhafte Behinderung. Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen gelten als zentrale Risikofaktoren. Weniger beachtet wird hingegen die Mundgesundheit. Doch eine große US-Langzeitstudie zeigt nun, dass bei Parodontitis das Risiko für einen Schlaganfall deutlich steigt, vor allem wenn zugleich Karies besteht.

Untersucht wurde der ischämische Schlaganfall, also die häufigste Form, bei der ein Gefäßverschluss die Durchblutung des Gehirns unterbricht.

20 Jahre Beobachtung bei 5.986 Erwachsenen

Die Forscher analysierten Daten von 5.986 Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren. Zu Beginn der Untersuchung hatte keiner der Teilnehmer einen Schlaganfall erlitten. Alle unterzogen sich einer umfassenden zahnärztlichen Untersuchung.

Die Wissenschaftler teilten die Teilnehmer in drei Gruppen ein: 1.640 Personen hatten eine gesunde Mundsituation, 3.151 litten an Parodontitis, 1.195 wiesen sowohl Parodontitis als auch Karies auf. Anschließend begleiteten die Forscher die Gruppe über einen Zeitraum von rund 20 Jahren und erfassten Schlaganfälle anhand medizinischer Unterlagen und regelmäßiger Befragungen.

Deutliche Unterschiede bei der Schlaganfall-Häufigkeit

Im Beobachtungszeitraum erlitten 4,1 Prozent der Teilnehmer mit gesunder Mundsituation einen ischämischen Schlaganfall. Bei Parodontitis allein lag der Anteil bei 6,9 Prozent. In der Gruppe mit Parodontitis und Karies stieg er auf 10,0 Prozent – und war damit mehr als doppelt so hoch wie bei gesunden Zähnen.

Auch nach Berücksichtigung klassischer Risikofaktoren blieb der Zusammenhang bestehen. Teilnehmer mit Parodontitis allein hatten ein um 44 Prozent erhöhtes Risiko. Wer zusätzlich Karies hatte, wies ein um 86 Prozent höheres Risiko auf. In die Berechnungen flossen unter anderem Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Bluthochdruck, Diabetes, LDL-Cholesterin, Rauchen, Alkoholkonsum und Bildungsstand ein.

Studienautor Souvik Sen, Neurologe an der University of South Carolina, erklärt: „Wir haben festgestellt, dass Menschen mit sowohl Karies als auch Zahnfleischerkrankungen ein nahezu doppelt so hohes Schlaganfallrisiko hatten wie Menschen mit guter Mundgesundheit – selbst nach Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren.“

Bestimmte Schlaganfall-Typen besonders betroffen

Der Zusammenhang zeigte sich nicht bei allen Formen des Schlaganfalls gleich stark. Besonders deutlich war der Anstieg bei sogenannten thrombotischen Schlaganfällen zu erkennen. Dabei verstopft ein Blutgerinnsel direkt eine Hirnarterie. Bei Menschen mit Parodontitis und Karies trat diese Form mehr als doppelt so häufig auf wie bei Teilnehmern ohne Zahnprobleme.

Auch kardioembolische Schlaganfälle, bei denen ein Gerinnsel aus dem Herzen ins Gehirn wandert, traten deutlich häufiger auf. Hier lag das Risiko um das 2,6-Fache höher. Für lakunäre Schlaganfälle, die kleine Gefäße betreffen, zeigte sich dagegen kein statistisch gesicherter Zusammenhang.

Zusammenhang auch bei Herzinfarkt und Herztod

Die Untersuchung beschränkte sich nicht auf Schlaganfälle. Die Forscher erfassten zusätzlich sogenannte schwere kardiovaskuläre Ereignisse, darunter Herzinfarkt und tödliche koronare Herzkrankheit. Probanden mit Parodontitis und Karies hatten ein um 36 Prozent erhöhtes Risiko für ein solches Ereignis. Damit zeigte sich der Effekt besonders deutlich bei der Kombination beider Erkrankungen. Wer nur an Parodontitis litt, hatte kein nachweislich erhöhtes Risiko für die Kombination schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse.

Ein möglicher Hintergrund dafür sind chronische Entzündungsprozesse. Die Ergebnisse legen nahe, dass anhaltende Entzündungen im Mund mit Erkrankungen der Blutgefäße zusammenhängen könnten. Menschen mit Parodontitis und Karies hatten außerdem häufiger Bluthochdruck und Diabetes, und ihre Entzündungswerte im Blut waren höher.

Die Studie zeigt jedoch nur einen Zusammenhang. Sie beweist nicht, dass die Zahnprobleme direkt einen Schlaganfall oder Herzinfarkt verursachen.

Regelmäßige Zahnarztbesuche als möglicher Schutzfaktor

Ein weiterer Befund betrifft die Zahnarztbesuche der Teilnehmer: Wer regelmäßig zur Kontrolle ging, hatte ein um 81 Prozent geringeres Risiko, gleichzeitig an Parodontitis und Karies zu erkranken. Auch Parodontitis allein trat um 29 Prozent weniger häufig auf.

„Diese Ergebnisse legen nahe, dass eine Verbesserung der Mundgesundheit ein wichtiger Bestandteil der Schlaganfallprävention sein könnte“, sagt Sen.

Kurz zusammengefasst:

  • Eine große US-Studie mit 5.986 Erwachsenen zeigt: Wer an Parodontitis leidet und zusätzlich Karies hat, erleidet deutlich häufiger einen Schlaganfall – das Risiko ist um bis zu 86 Prozent erhöht.
  • Konkret traf es 10 von 100 Menschen mit beiden Zahnproblemen, aber nur etwa 4 von 100 mit gesunden Zähnen; auch Herzinfarkte und tödliche Herzkrankheiten kamen häufiger vor.
  • Die Untersuchung beweist keine direkte Ursache, macht aber deutlich: Dauerhafte Entzündungen im Mund stehen in engem Zusammenhang mit Erkrankungen der Blutgefäße.

Übrigens: Während Parodontitis und Karies das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen können, hat ein anderes Forschungsteam ein Gel entwickelt, das Zahnschmelz innerhalb weniger Tage regeneriert und beginnende Karies stoppt. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unplash

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