Uni Würzburg: Ein Hinweis allein reicht – Patienten lehnen Ärzte ab, die KI verwenden
Schon der Hinweis auf den Einsatz von KI lässt Ärzte weniger vertrauenswürdig erscheinen – das zeigt eine neue Studie.

Schon der Hinweis auf KI-Einsatz kann das Bild vom Arzt verändern – selbst wenn sie nur bei der Büroarbeit hilft. © Pexels
Ärzte, die KI nutzen, werden von vielen Menschen als weniger vertrauenswürdig wahrgenommen – auch wenn sie fachlich alles richtig machen. Eine neue Studie der Universität Würzburg zeigt: Schon der Hinweis auf den Einsatz von KI reicht aus, damit Patienten einen Arzt anders bewerten.
Dabei ist die Idee an sich sinnvoll. In Radiologie und Laboren hilft KI längst, Bilder zu analysieren oder Daten schneller auszuwerten. Viele Anwendungen entlasten Mediziner und können die Versorgung verbessern. Doch bei den Patienten kommt das offenbar nicht immer gut an – im Gegenteil.
Vertrauen leidet, wenn Ärzte KI verwenden – und zwar quer durch alle Bereiche
Wissenschaftler der Uni Würzburg und der Charité Berlin haben 1276 Erwachsene in einer Online-Umfrage befragt. Gezeigt wurden Anzeigen fiktiver Hausärzte, wie sie auch auf Social Media erscheinen könnten. Einziger Unterschied: Manche erwähnten, dass der Arzt KI nutzt – für Diagnostik, Therapie oder nur für Verwaltungsaufgaben. Andere Anzeigen enthielten diesen Hinweis nicht.
Das Ergebnis:
- Ärzte ohne KI-Hinweis schnitten in allen Kategorien besser ab.
- Selbst KI für die Büroarbeit führte zu spürbaren Vertrauensverlusten.
Die Bewertungen auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) zeigen ein klares Muster:
- Kompetenz: Ärzte ohne KI-Hinweis wurden mit 3,85 Punkten bewertet, mit KI nur zwischen 3,58 und 3,71.
- Vertrauenswürdigkeit: Ohne KI 3,88 Punkte, mit KI 3,61 bis 3,66.
- Empathie: Ärzte ohne KI erzielten 4,00 Punkte, mit KI nur 3,72 bis 3,82.
- Terminbereitschaft: Bei Ärzten ohne KI waren 3,61 Punkte üblich, bei Ärzten mit KI nur 3,15 bis 3,32.
Schon kleine Hinweise auf KI reichten aus, um alle Bewertungen deutlich nach unten zu drücken.
Selbst KI-Einsatz im Büro lässt Ärzte weniger vertrauenswürdig erscheinen
Besonders auffällig: Der Einsatzbereich der KI spielte kaum eine Rolle. Egal ob für Diagnosen, Therapien oder nur für die Verwaltung – das Urteil fiel stets schlechter aus.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es bei der Bevölkerung Vorbehalte gegenüber Ärzten gibt, die Künstliche Intelligenz nutzen“, erklären die Studienautoren Moritz Reis und Wilfried Kunde von der Universität Würzburg.
Die größte Zurückhaltung zeigten die Befragten, wenn Ärzte angaben, KI für Therapieentscheidungen zu verwenden. Aber selbst bei KI für administrative Aufgaben wie Abrechnung oder Dokumentation sanken Sympathiewerte und Terminbereitschaft messbar.
„Sorge, dass Ärzte der KI blind folgen“
Warum reagieren so viele skeptisch, obwohl es objektiv keine Unterschiede in der Behandlung gibt? Die Studienautoren liefern mögliche Erklärungen.
„Ein möglicher Grund für diesen Befund könnte sein, dass Menschen die Sorge haben, dass Ärzte der KI blind folgen könnten“, vermuten die Autoren. Auch Ängste vor weniger persönlichem Kontakt, schlechter Kommunikation oder Datenschutzproblemen könnten mitspielen.
Die Folgen sind messbar – und sie betreffen nicht nur einzelne Arztbesuche. Vertrauen ist ein zentraler Baustein jeder medizinischen Behandlung. Und wenn es bröckelt, kann das auch die Heilungschancen beeinflussen.
Nähe bleibt wichtig – auch in der digitalen Medizin
Dass KI die Medizin effizienter machen kann, bestreitet niemand. Gerade bei der Auswertung großer Datenmengen ist sie schneller und oft präziser. Doch bei Patientinnen und Patienten zählt oft etwas anderes: Menschlichkeit, Einfühlungsvermögen, ein offenes Ohr.
„Eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung ist ein zentraler Faktor für den Behandlungserfolg“, so die Forscher. Wenn aber der Eindruck entsteht, der Computer entscheidet – dann geht genau dieses Gefühl verloren.
KI kann helfen – wenn sie gut erklärt wird
Trotz aller Skepsis sehen die Studienautoren auch Chancen. Gerade bei Verwaltungstätigkeiten könne KI den Praxisalltag erleichtern. Die gewonnene Zeit könnte dann in das Gespräch mit dem Patienten fließen.
Wichtig sei aber der offene Umgang. „Wenn Ärzte ihre Patienten über den Einsatz von KI informieren, sollten sie darauf abzielen, potenzielle Bedenken auszuräumen und mögliche Vorteile hervorzuheben“, schreiben die Wissenschaftler.
Transparenz schafft Vertrauen – das gilt gerade in einer Zeit, in der Technik in der Medizin eine immer größere Rolle spielt.
Wer wurde befragt?
Die Umfrage lief im Januar 2025 und wurde online durchgeführt. Mitgemacht haben 1276 Erwachsene aus den USA, im Schnitt 46 Jahre alt. Frauen waren etwas stärker vertreten als Männer.
Die Studie entstand am Institut für Psychologie der Universität Würzburg – gemeinsam mit der Charité Berlin.
Kurz zusammengefasst:
- Patienten bewerten Ärzte schlechter, wenn diese angeben, KI zu nutzen – selbst bei einfachen Verwaltungstätigkeiten.
- Vertrauen, Empathie und die Bereitschaft zum Termin sinken spürbar – unabhängig vom konkreten Einsatzbereich der künstlichen Intelligenz.
- Die Studie empfiehlt Ärzten, offen zu erklären, warum sie KI einsetzen und welche Vorteile das für Patienten bringen kann.
Übrigens: Während Patienten Ärzten weniger vertrauen, wenn diese KI nutzen, könnten genau solche Systeme künftig Leben verändern – etwa bei Demenz. Mehr dazu in unserem Artikel über eine neue KI, die erste Anzeichen erkennt, noch bevor Ärzte sie bemerken.
Bild: © Pexels