Neue Vorhersage erkennt Sonnenstürme früher – und schützt Satelliten und Stromnetze
Neue Daten aus der Sonnenhülle verbessern die Vorhersage von Weltraumwetter und zeigen genauer, wann Sonnenstürme Technik und Infrastruktur gefährden.
Eine starke Sonneneruption schleudert Energie ins All und kann Satelliten, GPS und Stromnetze stören. © Aberystwyth University
Störungen im All bleiben oft unbemerkt – ihre Auswirkungen treffen jedoch zentrale Techniksysteme. Navigationssignale schwanken, Satelliten reagieren empfindlich, Stromnetze geraten unter Belastung. Eine neue Vorhersage soll das Weltraumwetter nun deutlich präziser erfassen. Der entscheidende Fortschritt entsteht nicht an der sichtbaren Sonnenoberfläche, sondern in ihrer bisher schwer zugänglichen äußeren Atmosphäre.
Diese neue Perspektive verändert den Blick auf Sonnenstürme grundlegend. Statt nur an der Oberfläche zu messen, fließen erstmals gezielte Daten aus der Sonnenhülle ein. Dadurch lässt sich besser abschätzen, wann gefährliche Ausbrüche die Erde erreichen.
Korona-Daten machen Vorhersagen genauer
Die zugrunde liegende Studie stammt von der Aberystwyth University. Dort arbeitet ein Team daran, das Magnetfeld der Sonne genauer zu erfassen. Besonders wichtig ist dabei die sogenannte Korona. Diese äußere Schicht spielt eine zentrale Rolle bei Ausbrüchen, blieb bisher aber schwer messbar.
„Bisherige Modelle des Magnetfelds basieren ausschließlich auf Daten der Sonnenoberfläche, doch die Korona bleibt in vieler Hinsicht ein Rätsel“, beschreibt Projektleiter Huw Morgan das Problem. Dieses Defizit schränkt die Genauigkeit der bisherigen Prognosen ein.
Neue Instrumente liefern nun die fehlenden Informationen. Diese sogenannten Koronagraphen blenden das grelle Licht der Sonne aus. So machen sie die äußere Atmosphäre sichtbar. In diesen Daten erkennen Forschende Muster, die bisher verborgen blieben. Sie zeigen, wie sich Spannungen im Magnetfeld aufbauen.
„Wir nutzen Daten von Koronagraphen, um die äußere Atmosphäre sichtbar zu machen“, erklärt Morgan. „Durch die Analyse dieser Muster können wir bestehende Modelle anpassen und ein genaueres Bild liefern.“

Weltraumwetter trifft kritische Systeme direkt
Sonnenstürme treffen nicht nur die Raumfahrt. Sie beeinflussen viele Bereiche des täglichen Lebens. Besonders betroffen sind Systeme, die auf stabile Signale angewiesen sind:
- Satelliten können beschädigt werden oder ausfallen
- GPS-Signale verlieren an Genauigkeit
- Stromnetze geraten durch elektrische Ströme unter Belastung
- Kommunikationssysteme können gestört werden
Die neue Methode verbessert vor allem das Timing. Sie zeigt genauer, wann ein Ereignis eintritt. Dieser Faktor entscheidet oft darüber, ob Schutzmaßnahmen greifen.
Vorhersagen machen Risiken besser planbar
Die verbesserten Modelle liefern nicht nur mehr Daten, sondern auch klarere Entscheidungen. Betreiber kritischer Infrastruktur gewinnen wertvolle Zeit. Sie können Anlagen herunterfahren oder Systeme absichern. Ein Beispiel sind nationale Wetterdienste wie der UK Met Office. Dort fließen solche Prognosen bereits in operative Abläufe ein. Je präziser die Vorhersage, desto gezielter lassen sich Risiken reduzieren. „Verbesserte Vorhersagen helfen Betreibern von Infrastruktur, Probleme durch Sonnenaktivität auf der Erde zu verringern“, so Morgan.
Das Projekt mit dem Namen „CorMag“ wird vom Science and Technology Facilities Council gefördert. Es soll langfristig dazu beitragen, Risiken aus dem All besser kalkulierbar zu machen.
Kurz zusammengefasst:
- Die neue Weltraumwetter-Vorhersage nutzt erstmals Daten aus der Sonnenhülle und verbessert so die Prognose von Sonnenstürmen deutlich.
- Entscheidend ist die Korona, deren Magnetfeld bisher kaum erfasst wurde und nun genauere Hinweise auf Zeitpunkt und Stärke von Ausbrüchen liefert.
- Genauere Vorhersagen helfen, Satelliten, GPS und Stromnetze frühzeitig zu schützen und Schäden durch Sonnenaktivität zu verringern.
Übrigens: Während neue Modelle Sonnenstürme immer genauer vorhersagen, plant China bereits ein Kraftwerk im All, das Energie direkt zur Erde sendet. Die Technik könnte Satelliten versorgen – birgt aber auch Risiken für die Infrastruktur im Orbit. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Aberystwyth University
