Froschrufe im Klimawandel: Wärmere Nächte beschleunigen den Liebes-Takt
Der Klimawandel verändert die Froschrufe: Wärmere Nächte beschleunigen das Tempo – und lassen Frösche früher mit der Fortpflanzung beginnen.
Mit steigender Temperatur verändern sich Tempo und Qualität der Rufe männlicher Frösche – und Weibchen nehmen diesen Unterschied deutlich wahr. © Wikimedia
Der Klimawandel mischt jetzt auch im Liebesleben der Frösche mit. Wenn die Nächte wärmer werden, drehen die Männchen richtig auf – ihr Quaken wird schneller, lauter, hektischer. Und das bleibt nicht ohne Wirkung: Weibchen reagieren auf den neuen Turbo-Takt. Steigt die Temperatur im Teich früher im Jahr, beginnt auch das große Frosch-Flirten eher als gewohnt.
Hier wird der Einfluss des Klimawandels hörbar. Wärmere Nächte bringen richtig Tempo ins Quaken. Die Rufe folgen schneller aufeinander und klingen deutlich hektischer. Für Weibchen ist das kein Zufall: Das höhere Tempo zeigt, dass das Wasser warm genug ist, damit Eier und Kaulquappen eine echte Chance haben. Darauf weist eine Untersuchung der University of California, Davis hin, die den Zusammenhang zwischen Temperatur und Rufgeschwindigkeit eindeutig belegt.
Messungen zeigen klaren Temperatur-Effekt
Wie stark der Zusammenhang ist, zeigen konkrete Zahlen. In einem Feldversuch untersuchten Forschende 35 männliche Sierrachor-Laubfrösche bei drei unterschiedlichen Wassertemperaturen. Jedes Tier wurde unter allen Bedingungen getestet. Mit steigender Temperatur nahm die Zahl der Rufe pro Sekunde signifikant zu. Gleichzeitig verkürzte sich die Dauer einzelner Rufe deutlich. Körpergröße, Gewicht oder Kondition spielten keine Rolle. Entscheidend war allein die Temperatur des Wassers.
„Der Gesang von Fröschen hängt wirklich von der Temperatur der Umgebung ab“, sagt Studienautorin Julianne Pekny von der University of California, Davis. „Wenn sich der Teich erwärmt, klingen männliche Frösche nicht mehr langsam und träge, sondern schneller und fast verzweifelt. Ich kann es mit meinen menschlichen Ohren hören, und weibliche Frösche achten ebenfalls darauf.“
Acht Grad gelten als kritische Marke
Eine wichtige Grenze liegt bei rund 8 Grad Celsius. Unterhalb dieses Wertes wurden bei einer verwandten Art keine Paarungen beobachtet. Bleibt das Wasser kälter, kommt es nicht zur Eiablage.
Erst wenn diese Schwelle überschritten wird, steigen die Rufraten deutlich. Für Weibchen ist das ein klares Signal: Die Bedingungen reichen für die Entwicklung von Eiern und Kaulquappen aus.
Weibchen reagieren auf das Tempo
Männchen erscheinen oft früh an den Gewässern und beginnen mit ihren Rufen. Doch Weibchen kommen erst, wenn die Temperatur passt. „Es liegt im Interesse der Männchen, so früh wie möglich am Teich zu sein“, sagt Herpetologe Brian Tod, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. „Aber für Weibchen ist entscheidend, dass der richtige Moment zum Eierlegen gekommen ist.“
Schnellere Rufe erhöhen die Attraktivität. Gleichzeitig zeigen sie an, dass das Wasser ausreichend erwärmt ist. Das beeinflusst den Zeitpunkt der Fortpflanzung. „Wenn sich der Teich erwärmt, kommen auch die attraktiveren Rufe früher“, so Pekny.
Mit milderen Frühjahren rückt die Paarung nach vorn
Erwärmen sich Teiche im Jahresverlauf früher, beginnen auch die schnellen Rufe früher. Dadurch verschiebt sich der Start der Eiablage. Eric Post, Seniorautor der Untersuchung, ordnet das folgendermaßen ein: „Das könnte die Untersuchung phänologischer Reaktionen auf den Klimawandel potenziell revolutionieren.“
Phänologie beschreibt die zeitliche Abfolge natürlicher Ereignisse im Jahr. Bei Amphibien fallen diese Verschiebungen besonders deutlich aus.
Weltweit gelten rund 41 Prozent aller Amphibienarten als bedroht. Damit sind sie die am stärksten gefährdete Wirbeltiergruppe. Temperaturänderungen treffen sie direkt, weil ihre Fortpflanzung stark davon abhängt.
Kurz zusammengefasst:
- Wärmere Nächte beschleunigen Froschrufe messbar: In einem Feldversuch mit 35 Männchen stieg die Rufrate mit der Wassertemperatur deutlich, während die Rufdauer sank – Größe und Gewicht spielten keine Rolle.
- Rund 8 Grad Celsius markieren eine entscheidende Schwelle: Erst oberhalb dieser Temperatur kommt es zur Fortpflanzung; schnellere Rufe signalisieren Weibchen, dass Eier im Wasser überleben können.
- Da sich Teiche im Klimawandel früher erwärmen, setzen auch die Froschrufe früher ein – der Beginn der Eiablage verschiebt sich; besonders brisant, weil 41 Prozent aller Amphibienarten weltweit als bedroht gelten.
Übrigens: Während Frösche auf wärmere Nächte reagieren, steigert bei Mäusen ein strenger 24-Stunden-Fastenrhythmus den Sexualtrieb – ausgelöst durch sinkendes Serotonin im Gehirn. Wie stark der Effekt war und was das für Menschen bedeuten könnte, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © AliceWonder via Wikimedia unter Public Domain
