Atemprobleme bei Hunden: Diese 12 beliebten Rassen sind besonders gefährdet

Neue Cambridge-Studie zeigt: Atemprobleme betreffen nicht nur Mops und Bulldogge. Auch andere beliebte Rassen sind häufiger betroffen – entscheidend sind oft Gewicht, Nasenform und Kopfbau.

Ein Pekinese streckt die Zunge raus

Ein Pekinese mit typischer flacher Schnauze – bei solchen Hunden treten Atemprobleme laut Studie besonders häufig auf. © Pexels

Kurze Schnauzen, runde Köpfe, große Augen – solche Hunde gelten als besonders niedlich. Doch was süß aussieht, kann für die Vierbeiner ernste gesundheitliche Folgen haben. Neue Zahlen zeigen, dass Atemprobleme bei Hunden weiter verbreitet sind als viele Halter denken – und längst nicht nur Mops oder Bulldogge betreffen.

Eine große Untersuchung aus Großbritannien bringt nun Klarheit. Fast 900 Hunde aus 14 kurzköpfigen Rassen wurden systematisch untersucht. Das Ergebnis: Mehrere beliebte Familienhunde zeigen deutlich häufiger Atemstörungen als bislang bekannt.

Forscher untersuchen 898 Hunde systematisch

Ein Team der University of Cambridge analysierte 898 Hunde im Alter zwischen einem und 15 Jahren. Die Tiere absolvierten einen standardisierten dreiminütigen Belastungstest. Tierärzte hörten die Atmung vor und nach der Bewegung ab und ordneten die Hunde in vier Schweregrade ein.

Grad 0 bedeutete keine Auffälligkeit. Grad 2 und 3 galten als klinisch relevant. Bewertet wurde das sogenannte Brachyzephale Obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS), eine chronische Atemwegserkrankung bei kurzköpfigen Hunden. „BOAS existiert auf einem Spektrum. Manche Hunde sind nur leicht betroffen, bei anderen kann die Erkrankung die Lebensqualität erheblich reduzieren“, erklärt Studienautorin Dr. Francesca Tomlinson.

Zum Vergleich nutzten die Forscher ältere Daten zu Mops, Französischer Bulldogge und Englischer Bulldogge. Bei diesen bekannten Problemrassen waren nur sieben bis knapp elf Prozent völlig unauffällig.

Zwei Rassen sind besonders stark betroffen

Besonders schlecht schnitten Pekinesen und Japan Chin ab. Nur 10,9 Prozent der Pekinesen und 17,4 Prozent der Japan Chin zeigten keine Atemgeräusche. Damit liegen sie auf einem ähnlichen Niveau wie Mops oder Bulldogge.

Weitere fünf Rassen stuften die Wissenschaftler als moderat gefährdet ein:

  • Boston Terrier
  • Shih Tzu
  • Griffon Bruxellois
  • King Charles Spaniel
  • Dogue de Bordeaux

In diesen Gruppen hatte mindestens die Hälfte der untersuchten Hunde messbare Atemgeräusche. Andere Rassen wie Staffordshire Bull Terrier, Chihuahua, Boxer, Affenpinscher und Pomeranian schnitten insgesamt besser ab. Dennoch traten auch dort einzelne klinisch relevante Fälle auf.

Nicht nur die Schnauze entscheidet über das Risiko

Viele Halter gehen davon aus, dass allein eine extrem kurze Schnauze Atemprobleme bei Hunden verursacht. Die Studie zeigt ein komplexeres Bild. „Die Beziehung zwischen Schnauzenlänge und BOAS-Risiko ist komplexer als oft angenommen“, sagt Genetiker Dr. David Sargan, ebenfalls von der University of Cambridge.

Ein Beispiel liefert der King Charles Spaniel. Obwohl diese Rasse eine sehr flache Gesichtsform besitzt, waren rund 40 Prozent der Tiere ohne auffällige Atmung.

Drei Faktoren erwiesen sich in der Gesamtanalyse als besonders wichtig:

  • Übergewicht
  • Verengte Nasenlöcher
  • Bestimmte Schädelproportionen

Übergewicht erhöht das Risiko deutlich

Hunde mit einem höheren Body-Condition-Score hatten ein 1,8-fach erhöhtes Risiko für Atemstörungen. In einzelnen Rassen fiel der Effekt noch stärker aus. Beim Affenpinscher lag das Risiko für übergewichtige Tiere deutlich höher. „Gewichtsreduktion kann in bestimmten Rassen helfen, das Risiko zu verringern“, erklärt Mitautorin Dr. Jane Ladlow von der University of Cambridge.

Auch verengte Nasenlöcher spielten eine große Rolle. Bei Pekinesen hatten nur 5,8 Prozent offene Nasenlöcher. Beim Japan Chin waren es 17,8 Prozent. Moderate und schwere Engstellen standen klar mit Atemproblemen in Zusammenhang.

Ein Mann und zwei Frauen posieren jeweils mit einem Boston Terrier auf dem Arm für ein Foto.
Vier Boston Terrier aus der Studie mit den Forschern (von links) Dr. David Sargan, Dr. Fran Tomlinson und Dr. Jane Ladlow von der University of Cambridge. © Fran Tomlinson

Jede Rasse hat ihr eigenes Risikoprofil

Kein einzelner Faktor erklärt die Erkrankung vollständig. Schädelproportion, Nasenform und Gewicht machten zusammen nur rund 20 Prozent der Unterschiede zwischen betroffenen und gesunden Hunden aus. Die Kopfform allein lag bei etwa 16 Prozent.

„Jede einzelne Rasse besitzt ihr eigenes Risikoprofil“, erklärt Dr. Tomlinson. Deshalb sei eine rassespezifische Herangehensweise wichtig, wenn Zuchtprogramme oder Gesundheitsprüfungen angepasst werden.

Auffällig war zudem ein weiterer Befund: Rund 26 Prozent der Affenpinscher zeigten Anzeichen eines Luftröhrenkollapses – mit einem typischen, gänseähnlichen Husten, ein hupendes Geräusch, das durch eine verengte Luftröhre entsteht. Diese Störung gehört nicht direkt zu BOAS, betrifft aber ebenfalls die Atmung.

Für Halter bedeutet das: Schnarchen, Röcheln oder schnelle Ermüdung sind keine bloßen Eigenheiten einer Rasse. Atemprobleme bei Hunden können die Belastbarkeit deutlich einschränken und das Risiko für Hitzestress erhöhen. Eine tierärztliche Untersuchung bringt Klarheit – und kann die Lebensqualität des Tieres verbessern.

Kurz zusammengefasst:

  • Atemprobleme bei Hunden betreffen mehr Rassen als gedacht: In einer Studie mit 898 Tieren zeigten vor allem Pekinesen und Japan Chin sehr häufig Atemstörungen, aber auch Boston Terrier, Shih Tzu und weitere beliebte Rassen sind deutlich gefährdet.
  • Nicht nur die kurze Schnauze ist entscheidend: Übergewicht, verengte Nasenlöcher und bestimmte Schädelproportionen erhöhen das Risiko messbar – das Körpergewicht lässt sich dabei aktiv beeinflussen.
  • Jede Rasse hat ein eigenes Risikoprofil: Schnarchen, Röcheln oder schnelle Erschöpfung sind keine harmlosen Eigenheiten, sondern mögliche Warnzeichen, die tierärztlich abgeklärt werden sollten.

Übrigens: Hunde stehen nicht nur wegen Atemproblemen im Fokus der Forschung. Krebskranke Tiere helfen Wissenschaftlern inzwischen, neue Immuntherapien schneller für Menschen zu entwickeln – mehr dazu unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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