Schiffsmotor läuft nur mit Wasserstoff – Augsburger Test holt mehr Leistung raus
In Augsburg lief 2025 erstmals ein Schiffsmotor komplett mit Wasserstoff. Der Test zeigt höhere Leistungsdichte ohne fossile Beimischung.
Der Einzylinder vom Typ 35/44DF H2 lief Ende 2025 am Standort Augsburg erstmals vollständig mit 100 Prozent Wasserstoff – ein Meilenstein für alternative Schiffsantriebe. © Everllence
100 Prozent Wasserstoff – kein Tropfen Diesel: In Augsburg hat Everllence erstmals einen großformatigen Schiffsmotor komplett mit H₂ laufen lassen. Der Einzylinder vom Typ 35/44DF H2 wurde Ende 2025 erfolgreich getestet und arbeitete ausschließlich mit Wasserstoff – ohne fossile Beimischung. Hinter dem Projekt steht der Industriekonzern, der früher als MAN Energy Solutions bekannt war und weltweit rund 15.000 Mitarbeiter beschäftigt – jetzt drückt er beim Umbau der Schifffahrt aufs Tempo.
Denn die Branche steht vor einem gewaltigen Problem: Rund drei Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen gehen auf das Konto der Schifffahrt. Handel und Kreuzfahrten wachsen weiter. Ohne neue Motorentechnik gerät sie zunehmend unter Druck.
Großmotor wird gezielt für H₂-Betrieb umgebaut
Der Einzylinder vom Typ 35/44DF H2 basiert auf einer bestehenden Großmotorenplattform, wurde jedoch gezielt für den Betrieb mit Wasserstoff weiterentwickelt. Verbrennungsprozess, Bauteile und Wärmemanagement passten die Ingenieure an die besonderen Eigenschaften des Gases an.
Wasserstoff verbrennt schneller als Diesel und stellt höhere Anforderungen an Zündung und Material. Deshalb entwickelte das Team ein eigenes Brennverfahren. Das Ergebnis: eine höhere Leistungsdichte. Der Motor erzeugt mehr Leistung bei gleicher Größe. Für Reedereien ist das relevant, weil Maschinenräume begrenzt sind und alternative Kraftstoffe oft zusätzliche Tanks erfordern.
Industrie und Forschung arbeiten eng zusammen
Das Projekt trägt den Namen „HydroPoLEn“ und wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Mehrere Partner wirkten mit. Das WTZ übernahm Tests und thermodynamische Analysen. Die Technische Universität München unterstützte bei Modellierung und Auslegung. Tenneco entwickelte Komponenten für Kühlung und Temperaturführung. Carnival Maritime brachte Anforderungen aus der Kreuzfahrtbranche ein.
„Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Wasserstoff eine realistische Option für die Dekarbonisierung von Passagierschiffen wird“, erklärt Projektleiter Dr. Cornelius Wagner. Zugleich befindet sich die Technik noch in einer frühen Marktphase.
Dr. Matthias Auer, Leiter Performance und Emissionen, ergänzt: „Wasserstoff wird neben Ammoniak und Methanol eine Rolle in der zukünftigen maritimen Antriebstechnik spielen.“ Eine einzelne Lösung werde nicht alle Schiffstypen bedienen können.
Parallel zum Motorentest entstand in Augsburg eine eigene Wasserstoff-Infrastruktur. Sie versorgt den Prüfstand und schafft die Grundlage für weitere Entwicklungen.
Die Branche sucht seit Jahren Alternativen zum Schweröl. Wasserstoff, Ammoniak und Methanol gelten als aussichtsreichste Optionen. Wasserstoff verursacht bei der Verbrennung kein CO₂. Entscheidend bleibt jedoch die klimaneutrale Herstellung.
KIT bricht NASA-Rekord und bringt Wasserstoff-Turbine in den Dauerbetrieb
Der Augsburger Test fügt sich in eine breitere Entwicklung ein: Wasserstoff rückt nicht nur in der Schifffahrt, sondern auch in der Stromerzeugung näher an den Dauerbetrieb.
Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erreichten Forscher mit einer neuartigen, kompressorlosen Wasserstoff-Gasturbine eine stabile Laufzeit von gut fünf Minuten. Damit übertrafen sie den bisherigen NASA-Rekord deutlich. Frühere Versuche endeten oft nach wenigen Sekunden, weil Brennkammern überhitzten.

Der entscheidende Unterschied: Die Turbine kommt ohne mechanischen Kompressor aus. Druckwellen erzeugen den nötigen Verbrennungsdruck direkt in der Brennkammer. Das spart Energie. Gleichzeitig gelang erstmals die Stromerzeugung mit diesem System.
Für Verbraucher und Industrie ist das mehr als ein Laborerfolg. Effiziente Wasserstoff-Turbinen könnten künftig Strom liefern, wenn Wind und Sonne schwächeln – vorausgesetzt, der Wasserstoff stammt aus erneuerbaren Quellen.
Kurz zusammengefasst:
- In Augsburg lief erstmals ein großer Schiffsmotor vollständig mit 100 Prozent Wasserstoff; der umgebaute 35/44DF-H2-Motor liefert dabei mehr Leistung bei gleicher Größe.
- Der Test gilt als wichtiger Schritt für eine Branche, die rund 3 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verursacht und dringend Alternativen zu Schweröl sucht.
- Parallel erreichte das KIT mit einer kompressorlosen Wasserstoff-Turbine über fünf Minuten stabilen Betrieb und erzeugte erstmals Strom – ein Signal für effizientere, potenziell klimaneutrale Energie.
Übrigens: Während der Schiffsmotor in Augsburg mit reinem Wasserstoff läuft, wandeln Forscher in China CO₂ allein mit Sonnenlicht und Wasser in einen zentralen Benzin-Vorläufer um – mit deutlich höherer Ausbeute als bisher. Wie künstliche Photosynthese Industrieabgase zu Treibstoff-Bausteinen macht, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Everllence
