Plötzlich sympathisch: Wenn der Roboter mit vertrauter Stimme spricht
Ein Forschungsprojekt der Uni Augsburg zeigt: Roboter wirken sympathisch, wenn ihre Stimme der des menschlichen Gegenübers ähnelt.

Johanna Kuch erforscht im Projekt „EchoSync“, welche Roboterstimmen wir als sympathisch empfinden – und warum sie uns so vertraut vorkommen. © Universität Augsburg/Emil Anwander
Ein Pflegeroboter, der lächelt, freundlich schaut – und klingt wie man selbst. Daran arbeiten Forscher der Universität Augsburg derzeit ganz konkret. Ihr Ziel: humanoide Roboter so auszustatten, dass sie auf uns sympathisch wirken. Denn wenn Maschinen künftig im Alltag helfen, in Pflegeheimen arbeiten oder im Wartezimmer beruhigen sollen, dann müssen sie nicht nur funktionieren – sie müssen auch Vertrauen schaffen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Stimme. Ob wir jemanden sympathisch finden, hängt oft davon ab, wie vertraut uns sein Tonfall erscheint. Genau da setzt das Augsburger Projekt „EchoSync“ an: Was passiert, wenn der Roboter plötzlich mit einer Stimme spricht, die der eigenen verblüffend ähnlich ist?
Forscher testen Stimme, die fast wie die eigene klingt
„Wir wollten wissen, ob eine personalisierte Stimme die Sympathie gegenüber einem Roboter erhöht“, sagt Johanna Kuch. Die Doktorandin leitet das Projekt am Lehrstuhl für Menschzentrierte Künstliche Intelligenz. Ihr Team nutzte sogenannte Voice-Cloning-Technologie, um Stimmen der Teilnehmer künstlich nachzubilden – mit Klangfarbe, Tonhöhe und Tempo. Die Teilnehmer wussten davon allerdings nichts.
Für das Experiment führten 50 Personen Gespräche mit einem menschenähnlichen Roboterkopf, der nicht nur sprechen, sondern auch lächeln, zwinkern und die Augenbrauen heben kann. In jeder Unterhaltung kam eine andere Stimme zum Einsatz: eine designkongruente, also passende Stimme, eine unpassende – und eine, die auf der eigenen Sprachprobe beruhte.
Roboter werden als sympathisch wahrgenommen – Persönliche Stimme hilft
Nach jedem Gespräch sollten die Probanden bewerten, wie sympathisch, vertraut und menschlich die Stimme auf sie wirkte. Das Ergebnis: Am besten schnitten die personalisierten Stimmen ab – dicht gefolgt von jenen, die zum Erscheinungsbild des Roboters passten. Die künstlich erzeugten Stimmen, die weder zu Roboter noch Mensch passten, landeten klar auf dem letzten Platz.
„Obwohl die meisten ihre eigene Stimme nicht erkannten, bewerteten sie die personalisierte Version als besonders angenehm“, so Kuch. Das könnte ein wichtiger Hebel sein, um soziale Roboter alltagstauglich zu machen – gerade in sensiblen Bereichen wie Pflege, Therapie oder bei Kindern.
Technik wirkt vertrauter, wenn Roboter emotional sprechen
Ein Roboter, der aussieht wie eine Maschine, aber klingt wie ein alter Bekannter – diese Kombination könnte in Zukunft vieles erleichtern. Wer sich gut aufgehoben fühlt, lässt sich eher helfen. In einer Zeit, in der Fachkräfte knapp und viele Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, wird genau das immer wichtiger. Das Projekt aus Augsburg zeigt, wie Technik emotional intelligenter werden kann – durch etwas so Alltägliches wie unsere eigene Stimme.
Roboterhaut lächelt, heilt – und fühlt sich echt an
Ein weiteres Beispiel für die zunehmende Verschmelzung von Mensch und Maschine liefert ein Team um Professor Shoji Takeuchi von der Universität Tokio. Sein Forschungsteam entwickelte eine „lebende Haut“ für humanoide Roboter, die nicht nur täuschend echt aussieht, sondern sich sogar selbst heilt. Die künstlich gezüchtete Haut besteht aus biologischen Komponenten und passt sich flexibel an Bewegungen an. Möglich macht das eine neuartige Befestigungsmethode mit V-förmigen Perforationen, in die das Gewebe mit Hilfe von Kollagen und Plasma eingebettet wird. So bleibt die Haut auch bei Mimik oder Gestik sicher mit der Roboterstruktur verbunden.
Im Ergebnis kann der Roboter sein Gesicht bewegen – und Emotionen zeigen. Er kann lächeln, die Stirn runzeln und wirkt dabei fast menschlich. Die Forscher denken bereits weiter: In Zukunft soll die Haut mit Schweißdrüsen, Poren und sogar Nerven ausgestattet werden. Anwendungen gibt es viele – von der Ausbildung künftiger Chirurgen über Hautalterungsforschung bis hin zu realitätsnahen Assistenzrobotern in der Pflege. Doch der Fortschritt bringt auch neue Herausforderungen mit sich: Die empfindliche Haut reagiert auf Bakterien, kann austrocknen – und sterben. Noch steht die Forschung am Anfang.
Kurz zusammengefasst:
- Roboter wirken auf Menschen vor allem dann sympathisch, wenn ihre Stimme der eigenen ähnelt – das zeigt ein Experiment der Universität Augsburg.
- Mithilfe von Voice Cloning erzeugten Forscher personalisierte Roboterstimmen, ohne dass die Teilnehmer dies bemerkten.
- Die personalisierten Stimmen schnitten bei Sympathie, Vertrautheit und Menschlichkeit deutlich besser ab als unpassende oder neutrale Varianten.
Übrigens: Während in Augsburg Roboter durch vertraute Stimmen sympathischer wirken, arbeiten Forscher in Kalifornien daran, verlorene Sprache durch Gedankensteuerung zurückzubringen. Eine neue KI übersetzt Hirnsignale in gesprochene Worte – und nutzt dabei sogar die persönliche Stimme der Betroffenen. Mehr dazu in unserem Artikel.