Neue Strategie gegen Stadt-Hitze: Kühlbänke können die gefühlte Temperatur um 20 Grad senken
Forscher haben spezielle Sitzflächen und Wartehäuschen entwickelt, die Strahlungswärme spürbar verringern und Hitze direkt am Körper reduzieren.
Wärmebild am Klimakover-Pavillon in New York: Die gekühlten, durchscheinenden Paneele bleiben deutlich kälter als die Haut der Testperson und die umliegenden Flächen. © Chris Perez
Städte investieren viel Geld in helle Straßenbeläge, neue Bäume und begrünte Dächer, denn Hitzewellen dauern länger und Innenstädte speichern Wärme wie ein Ofen. Hitzeschutz-Programme sollen Gesundheitsrisiken senken und öffentliche Räume nutzbar halten. Neben klassischen Maßnahmen haben sich Experten auch mit neuen Lösungen beschäftigt. Gemeint sind Kühlbänke und moderne Wartehäuschen, weil sie Hitze direkt am Aufenthaltsort reduzieren.
Aktuelle Forschung zeigt nämlich: Entscheidend ist nicht zuerst der Asphalt, sondern der menschliche Körper. Wie stark Hitze belastet, hängt weniger von der Lufttemperatur ab als von der Wärmestrahlung, die Haut und Kleidung trifft – und davon, wie gut der Körper seine eigene Wärme abgeben kann.
Warum der Körper wichtiger ist als die Straße
Hinter der Arbeit steckt ein Team des Thermal Architecture Lab an der University of Pennsylvania’s Weitzman School of Design. Geleitet wird es von der Architektin und Forscherin Dorit Aviv. „Schatten ist sehr wichtig“, so die Studienleiterin. Doch bei extremer Hitze reiche das oft nicht aus. Ihr Ansatz: Gebäude und Stadtmöbel nicht nur als Bauwerke betrachten, sondern als aktive Elemente im Wärmeaustausch zwischen Mensch und Umgebung.
Die Idee unterscheidet sich klar von klassischen Klimaanlagen. Statt ganze Räume zu kühlen, wirkt die Technik direkt am Menschen. Das spart Energie und setzt gezielt dort an, wo Hitze belastet.
Viele Kommunen setzen bislang auf helle, reflektierende Straßenbeläge. Sie sollen verhindern, dass der Asphalt zu viel Sonnenenergie speichert. Die Oberfläche bleibt dadurch kühler. Das klingt logisch. Doch die Wärme verschwindet nicht einfach. Sie wird teilweise zurück in Richtung Fußgänger reflektiert.
Messungen in Philadelphia zeigen: Die Temperatur des Bodens sinkt zwar, jedoch steigt gleichzeitig die Strahlung, die Menschen abbekommen. Für das subjektive Hitzeempfinden kann das nachteilig sein.
Kühlstationen senken die gefühlte Hitze deutlich
Das Forschungsteam entwickelte deshalb eine neue Art von Bushaltestelle. Die Konstruktion arbeitet mit Solarstrom und kombiniert mehrere Kühlprinzipien:
- Sitzflächen leiten Wärme direkt vom Körper ab
- Kühlende Strahlungselemente wirken auf stehende Personen
- Solarmodule versorgen das System unabhängig mit Energie
Die Ergebnisse zeigen: Die gemessene Strahlungswärme lag um mehr als 20 Grad Celsius niedriger als in benachbarten, ungeschützten Bereichen. Besucher gaben an, sich deutlich wohler zu fühlen.
Möbel werden zu aktiven Hitzeschutz-Helfern
Die Forscher gingen noch weiter. Sie entwickelten einen Stuhl aus CO₂-reduziertem Beton, hergestellt im 3D-Druck. In die Struktur integrierten sie ein Wassersystem zur Kühlung. Ziel war eine möglichst große Kontaktfläche zwischen Körper und Sitz.
„Wir wollten untersuchen, wie viel Kühlung allein durch Möbel möglich ist“, sagt Aviv. Je mehr Haut direkten Kontakt hat, desto stärker fließt Wärme vom Körper in das Material.
Infrarotaufnahmen zeigen deutlich kühlere Zonen an den Kontaktstellen. Das Prinzip ist einfach erklärt: Der Körper gibt kontinuierlich Wärme ab. Wird diese gezielt aufgenommen und abgeführt, sinkt das Hitzegefühl.

Schulhöfe als Problemzonen
Ein weiteres Projekt befasst sich Schulhöfen. Viele dieser Flächen bestehen aus Beton oder Asphalt. Sie speichern tagsüber Hitze und geben sie langsam wieder ab. Bei hohen Temperaturen ist der Aufenthalt an diesen Orten für Kinder und Jugendliche kaum auszuhalten.
Das Team untersucht deshalb unterschiedliche Oberflächen, Begrünung und kombinierte Kühlmaßnahmen. Ziel ist ein Schulhof, der Bewegung zulässt und trotzdem erträglich bleibt.
Was Städte konkret daraus lernen können
Die Studie liefert keine Patentlösungen, aber neue Perspektiven. Hitzeschutz in Städten sollte stärker berücksichtigen, wie Menschen sich tatsächlich im Raum bewegen und aufhalten. Besonders relevant sind Orte mit längerer Verweildauer:
- Bushaltestellen
- Parkbänke
- Schulhöfe
- Wartebereiche im öffentlichen Raum
Gezielte Kühlung an solchen Punkten kann spürbare Entlastung bringen. Zudem bleibt der Energieverbrauch überschaubar, da keine großflächige Klimatisierung nötig ist.
Kurz zusammengefasst:
- Hitze entsteht vor allem durch Strahlung auf den Körper, nicht nur durch warme Luft oder heißen Asphalt.
- Kühlbänke und Solar-Bushaltestellen können die gefühlte Temperatur um über 20 Grad senken, weil sie Wärme direkt vom Menschen ableiten.
- Für wirksamen Hitzeschutz in Städten müssen Aufenthaltsorte gezielt den Wärmeaustausch zwischen Mensch und Umgebung verbessern.
Übrigens: Während neue Kühlbänke Hitze direkt am Körper ableiten, zeigt ein Projekt in Philadelphia, dass schon eine spezielle Straßenbeschichtung Asphalt um rund fünf Grad abkühlen kann – mit spürbaren Effekten für ganze Viertel. Wie stark solche Maßnahmen Städte tatsächlich entlasten und wo ihre Grenzen liegen, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Chris Perez
