Lebensmittelbetrug – So fliegt gefälschtes Olivenöl jetzt sofort auf

Gefälschtes Olivenöl lässt sich künftig vor Ort prüfen. Ein tragbares Messsystem liefert Ergebnisse in Minuten statt Wochen.

Olivenöl im Supermarktregal

Was im Regal landet, wird vorher geprüft: Ein neues mobiles Messgerät soll Olivenöl bereits beim Wareneingang auf Echtheit kontrollieren. © Unsplash

Für gutes Olivenöl greifen viele Verbraucher bewusst tiefer in die Tasche. Herkunft, Reinheit und Qualität gelten als Versprechen, für das sich der höhere Preis lohnt. Wer mehr bezahlt, erwartet, dass genau das in der Flasche steckt, was auf dem Etikett steht. Doch dieses Vertrauen wird immer wieder enttäuscht. Selbst Fachleute erkennen Fälschungen oder Streckungen häufig erst nach aufwendigen Laboranalysen. Im Alltag bleibt Betrug damit oft unentdeckt – auch für Händler und Kontrolleure.

Dabei nimmt Lebensmittelbetrug seit Jahren zu. Hohe Preise, konstante Nachfrage, lange Lieferketten und starker Wettbewerbsdruck machen Olivenöl so anfällig für Betrug. Manchmal geht es um Irreführung, manchmal um ernsthafte Risiken, etwa durch ungeeignete oder verunreinigte Stoffe. Eine neue technische Entwicklung soll diese Lücke schließen und Kontrollen direkt in den Einkauf und den Wareneingang verlagern.

Labortests direkt am Lieferort

Um genau dort prüfen zu können, arbeiten Forscher an einem mobilen Messgerät, das Laboranalysen vor Ort ersetzt. Statt Proben zu verschicken und auf Ergebnisse zu warten, soll das System innerhalb weniger Minuten zeigen, ob ein Olivenöl authentisch ist oder nicht. Ware könnte damit geprüft werden, noch bevor sie abgefüllt, weiterverarbeitet oder verkauft wird.

Entwickelt wird das Gerät von mehreren Teams der Fraunhofer-Gesellschaft, darunter dem Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS. Das Gerät ist als robustes Arbeitsmittel für Abfüller, Händler und Qualitätsprüfer gedacht.

Mobiles Messsystem zur schnellen Authentizitätsprüfung von Olivenöl.
Das mobile Messsystem soll gefälschtes Olivenöl direkt im Handel erkennen und macht Lebensmittelbetrug im Einkauf schneller sichtbar. © Fraunhofer IVV

So arbeitet das Gerät – Schritt für Schritt

Das System nutzt ein etabliertes Analyseverfahren, die Gaschromatographie, in stark vereinfachter Form. Die Messung funktioniert so: Zunächst wird aus dem Olivenöl eine kleine Probe entnommen. Aus ihr lösen sich flüchtige Stoffe, die jedes Öl in winzigen Mengen abgibt. Diese Stoffe werden mit einem Trägergas durch eine schmale Messsäule geleitet. In dieser Säule bleiben die einzelnen Bestandteile unterschiedlich lange hängen – je nach chemischer Eigenschaft.

Am Ende der Säule misst ein Sensor, welche Stoffe wann ankommen. Daraus entsteht ein charakteristisches Muster. Dieses Muster lässt sich mit bekannten Referenzen vergleichen. Stimmen sie überein, gilt das Öl als authentisch. Weichen sie deutlich ab, spricht das für Streckungen, falsche Herkunft oder Alterungsprozesse.

Duftspuren verraten Herkunft und Qualität

Entscheidend sind dabei flüchtige organische Verbindungen, kurz VOCs. Diese Stoffe entweichen aus Lebensmitteln in kleinsten Mengen und tragen viele Informationen in sich. Ein sortenreines, frisches Olivenöl aus einer bestimmten Region hinterlässt ein anderes Profil als ein gestrecktes oder gealtertes Produkt.

Aus diesen Mustern lassen sich Hinweise ableiten auf:

  • die wahrscheinliche Herkunft,
  • das Alter der Ware,
  • den Reinheitsgrad der Zusammensetzung.

Weichen die Profile stark ab, liegt der Verdacht auf Manipulation oder Qualitätsmängel nahe.

Bedienen ohne Chemie-Ausbildung

Bislang bedeutete jeder Verdacht auf Fälschung lange Wege. Proben gingen ins Labor, Ergebnisse kamen spät. Zudem waren teure Geräte und spezialisiertes Personal nötig. Das mobile System soll diese Hürde deutlich senken.

Das Gerät ist etwa so groß wie eine Umhängetasche. Nach einer kurzen Einweisung lässt es sich auch von Nicht-Experten bedienen. Tilman Sauerwald vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV sagt: „Mit unserem System adressieren wir Laien wie etwa den Abfüller und den Wareneingangsprüfer, die das Gerät ohne fachliches Know-how problemlos nach einer kurzen Einweisung bedienen können.“

Die Messung läuft automatisiert ab. Probe einlegen, Messung starten, Ergebnis ablesen – wenige Minuten später liegt eine Bewertung vor.

Kleine Technik mit großer Wirkung

Möglich wird das durch starke Miniaturisierung. Klassische Laborgeräte arbeiten mit Messsäulen von mehr als 30 Metern Länge. In den aktuellen Tests genügte eine nur drei Meter lange Säule. Für viele Fragestellungen in der Lebensmittelkontrolle reicht diese Trennschärfe aus.

Die Säulen werden auf Siliziumchips gefertigt. In Wafer mit 200 Millimetern Durchmesser sind feine Kanäle geätzt und beschichtet. Diese Bauweise erlaubt schnelles Aufheizen und Abkühlen – ein wichtiger Grund für die kurzen Messzeiten.

Die feinen konzentrischen Strukturen auf dem Siliziumchip zeigen die winzigen Kanäle der neuen µGC-Säulen. Sie ersetzen die bislang üblichen, mehr als 30 Meter langen Laborsäulen – und ermöglichen damit Gasanalysen auf wenigen Zentimetern. Durch diese Miniaturisierung wird die Trennleistung kompakter Messgeräte so groß, dass sie für viele Prüfungen in der Lebensmittelkontrolle ausreicht. © Fraunhofer IPMS
Die feinen konzentrischen Strukturen auf dem Siliziumchip zeigen die winzigen Kanäle der neuen µGC-Säulen. Sie ersetzen die bislang üblichen, mehr als 30 Meter langen Laborsäulen – und ermöglichen damit Gasanalysen auf wenigen Zentimetern. Durch diese Miniaturisierung wird die Trennleistung kompakter Messgeräte so groß, dass sie für viele Prüfungen in der Lebensmittelkontrolle ausreicht. © Fraunhofer IPMS

Erste Tests zeigten bereits eine zuverlässige Trennung der relevanten Stoffe. Die nächste Aufgabe besteht darin, die Technik gezielt auf unterschiedliche Lebensmittel anzupassen.

Kurz zusammengefasst:

  • Ein mobiles Messgerät der Fraunhofer-Forschung prüft Olivenöl schon beim Wareneingang, erkennt Fälschungen in wenigen Minuten und ersetzt dafür aufwendige Laboranalysen.
  • Das System nutzt vereinfachte Gaschromatographie, analysiert flüchtige Stoffe im Öl und vergleicht deren Muster mit Referenzen, um Herkunft, Alter und Reinheit zu beurteilen.
  • Gedacht ist die Technik für Abfüller, Händler und Qualitätsprüfer, die das kompakte Gerät nach kurzer Einweisung im laufenden Betrieb einsetzen können, bevor die Ware verkauft wird.

Übrigens: Wenn Lebensmittel teurer werden, sparen Familien oft nicht an der Menge, sondern an der Qualität – mit Folgen, die Kinder ein Leben lang prägen können. Eine große Langzeitstudie zeigt, warum frühe Preissteigerungen Übergewicht und Mangel zugleich fördern. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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