Briten räumen Hürden aus dem Weg – aus altem Kohlekraftwerk soll moderner Atomstandort werden

In Nottinghamshire soll ein stillgelegtes Kohlekraftwerk zum Standort für einen Mini-Atomreaktor werden. Behörden sehen keine großen Mängel.

Das frühere Kohlekraftwerk Cottam in Nottinghamshire

Das frühere Kohlekraftwerk Cottam in Nottinghamshire: Aus dem stillgelegten Standort soll künftig ein Platz für neue Kerntechnik werden. © Holtec

In Nottinghamshire steht ein stillgelegtes Kohlekraftwerk, in dem früher tonnenweise Kohle verfeuert wurde. Nun soll ausgerechnet dort ein kleiner Atomreaktor entstehen. Das Besondere: Der SMR-300 ist kein klassisches Riesen-AKW, sondern ein kompakter Mini-Reaktor, der sich als Modell für alte Kohle-Standorte eignet. Für dieses Vorhaben hat das britische Prüfverfahren jetzt eine wichtige Etappe passiert. Beim Reaktordesign fanden die zuständigen Behörden keine grundlegenden Mängel bei Sicherheit, Sicherung und Schutzvorkehrungen.

Das ist mehr als ein formaler Zwischenschritt. Denn damit kann der Standort Cottam in die nächste Phase gehen, in der die Planungen deutlich konkreter werden. Aus einem alten Kohleareal könnte so ein neuer Atomstandort werden.

Drei Behörden prüfen streng und geben grünes Licht

Geprüft wurde das Design von drei Institutionen: dem Office for Nuclear Regulation, der Umweltbehörde und Natural Resources Wales. Sie nahmen 21 technische Themen unter die Lupe. Am Ende steht ein klares Ergebnis. Es gebe „keine grundlegenden Schwachstellen“, heißt es in der Bewertung.

Der alte Kohle-Standort Cottam wird nun konkret für neue Pläne interessant. Gemeinsam mit EDF Energy, der britischen Tochter des französischen Energiekonzerns EDF, will Holtec dort einen neuen Reaktor bauen. Das US-Unternehmen aus Florida ist auf Kerntechnik, Rückbau und Atommüll-Lagerung spezialisiert und entwickelt mit dem SMR-300 einen kleinen modularen Reaktor für neue Standorte. Der Plan für Cottam nutzt vorhandene Infrastruktur. Netzanschlüsse, Flächen und Teile der Genehmigungsstrukturen lassen sich weiterverwenden.

Britisches Modell soll Genehmigungen deutlich beschleunigen

„Die Möglichkeit, am Standort Cottam ein neues Kernkraftprojekt zu entwickeln, ist sehr spannend“, sagt Jane Bowie von EDF. Das Projekt gehe nun in eine Phase, in der der konkrete Standort im Detail geprüft wird.

Die Grundlage dafür liefert ein britisches Fördermodell für neue Kerntechnik. Es soll Genehmigungen beschleunigen und Investitionen erleichtern. Das bringt einen deutlichen Vorteil für Energieunternehmen, weil lange Verfahren bisher viele Projekte ausgebremst haben.

Mini-Atomreaktor aus dem Kohlekraftwerk soll auch international Schule machen

Der Schritt in Großbritannien hat Bedeutung über das Land hinaus. Holtec will die Ergebnisse der Prüfung auch in anderen Ländern nutzen. Ziel ist ein standardisiertes Verfahren, das sich übertragen lässt.

Richard Springman von Holtec nennt das einen wichtigen Meilenstein. „Diese positive Bewertung reduziert Risiken für unser internationales Programm“, sagt er. Der Reaktor erfülle damit die Anforderungen in Großbritannien und den USA.

Parallel läuft in den Vereinigten Staaten bereits ein weiteres Projekt. Am Standort Palisades in Michigan hat die Atomaufsicht den Antrag für zwei Reaktoren zur Prüfung angenommen. Die Entscheidung darüber wird bis Mitte 2027 erwartet.

Zusammenarbeit soll Genehmigungen deutlich beschleunigen

Ein Abkommen zwischen britischen und US-Behörden spielt dabei eine zentrale Rolle. Es erlaubt, Prüfergebnisse gegenseitig zu nutzen. Das spart Zeit und kann Verfahren verkürzen.

Für die Industrie ist das ein entscheidender Punkt. Neue Reaktoren scheitern oft nicht an der Technik, sondern an langen Genehmigungsprozessen. Wenn Länder enger zusammenarbeiten, könnten Projekte schneller umgesetzt werden.

Internationales Interesse wächst – 14 Punkte noch offen

Holtec spricht bereits mit weiteren Staaten. Mehrere Länder prüfen, ob sie das britische Verfahren als Vorlage übernehmen. Damit könnte aus einem ehemaligen Kohlekraftwerk ein Modell für neue Energieprojekte weltweit werden.

Ganz durch ist das Verfahren aber noch nicht. Die Behörden verweisen auf 14 Punkte, die Holtec weiter ausarbeiten muss. Insgesamt prüften die Aufseher 21 technische Themenfelder. Grundlegende Mängel fanden sie nicht. In Teilen des Designs und der Sicherheitsunterlagen sehen sie aber noch Nacharbeit.

Kurz zusammengefasst:

  • In Cottam soll ein stillgelegtes Kohlekraftwerk zu einem Standort für den Mini-Atomreaktor SMR-300 werden, der als kompaktes Modell für frühere Kohle-Standorte gedacht ist.
  • Britische Behörden prüften das Design in 21 technischen Bereichen und fanden keine grundlegenden Mängel bei Sicherheit, Sicherung und Schutzvorkehrungen.
  • Vollständig abgeschlossen ist das Verfahren noch nicht: Holtec muss 14 offene Punkte nacharbeiten, während andere Länder bereits prüfen, ob sie das britische Modell für eigene Projekte übernehmen.

Übrigens: Großbritannien drückt gleich bei zwei Atom-Projekten aufs Tempo – erst beim Mini-Reaktor auf einem alten Kohle-Standort, jetzt auch bei der Kernfusion. Dort soll ein neues Konzept eines der größten Probleme der Technik lösen: den extrem knappen Brennstoff Tritium – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Holtec

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