Technik aus Europa soll Mondmissionen deutlich günstiger machen – 80 Prozent weniger Brennstoff
Atomenergie aus Reaktorabfall soll Satelliten und Mondmissionen mit 80 Prozent weniger Brennstoff versorgen und Startkosten deutlich senken.
Deep Space Energy setzt bei seinem Generator auf Americium-241 aus Reaktorabfällen und will damit Satelliten und Mondmissionen unabhängig vom Sonnenlicht mit Strom versorgen. © Unsplash
Jedes Kilogramm zum Mond kann bis zu eine Million Euro kosten. Ein Start-up aus Lettland will diese Rechnung drastisch senken – mit einem Generator aus Atommüll, der 80 Prozent weniger Brennstoff benötigt und Satelliten selbst in völliger Dunkelheit mit Strom versorgt.
Dafür entwickelt Deep Space Energy einen kompakten Generator, der die Wärme aus dem natürlichen Zerfall von Americium-241 in Strom umwandelt – einem Isotop aus kommerziellen Kernreaktoren.
Atomenergie macht Mondmissionen deutlich günstiger
Nach Angaben des Unternehmens erreicht das System die gleiche elektrische Leistung wie herkömmliche radioisotopische Generatoren, benötigt dafür jedoch rund 80 Prozent weniger Brennstoff. Beim Flug zum Mond können die Kosten laut Unternehmensangaben bis zu eine Million Euro pro Kilogramm betragen.
Klassische radioisotopische Generatoren benötigen größere Mengen radioaktiven Materials. Das erhöht Masse und Kosten. Wer Gewicht spart, spart Geld. Deep Space Energy verspricht die gleiche elektrische Leistung mit nur einem Fünftel des bisherigen Brennstoffs. Firmenchef Mihails Ščepanskis sagt laut interesting engineering: „Unsere Technologie wurde bereits im Labor validiert und hat mehrere Anwendungen im Verteidigungs- und Raumfahrtbereich.“
Generator soll Satelliten unabhängiger machen
Zunächst plant das Unternehmen den Einsatz als zusätzliche Energiequelle für strategische Satelliten. Der Strom soll unabhängig von Sonnenlicht verfügbar sein. Ščepanskis erklärt: „Wir entwickeln zunächst eine zusätzliche Energiequelle, um die Widerstandsfähigkeit strategischer Satelliten zu erhöhen.“ Das System könne Backup-Strom liefern und so wichtige Systeme absichern. Geplant ist der Einsatz in verschiedenen Umlaufbahnen:
- mittlerer Erdorbit
- geostationäre Umlaufbahn
- stark elliptische Umlaufbahnen
Dort arbeiten Kommunikations- und Aufklärungssatelliten. Eine zusätzliche Energiequelle erhöht ihre Ausfallsicherheit.
Geopolitik erhöht den Druck
Der Gründer verweist auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. „Europa versucht unabhängiger zu werden. Es ist entscheidend, Satelliten mit fortschrittlichen Fähigkeiten selbst zu produzieren“, sagt er. Das System mache Satelliten „widerstandsfähiger gegen nicht-kinetische Angriffe und Fehlfunktionen“. Gemeint sind Störungen, die nicht durch direkte Zerstörung entstehen, etwa durch elektronische Einflüsse.
Langfristig blickt das Unternehmen auf die sogenannte Mondwirtschaft, also künftige Missionen, die Rohstoffe erkunden oder dauerhaft Infrastruktur aufbauen. Während der rund 14 Tage dauernden Mondnacht sinken die Temperaturen auf unter minus 150 Grad Celsius. Batterien allein stoßen hier an Grenzen. Ein radioisotopischer Generator liefert dagegen kontinuierlich Wärme und Strom.
Finanzierung kommt aus Europa und NATO-Programmen
Für die Weiterentwicklung hat das Start-up 930.000 Euro in einer frühen Finanzierungsrunde eingesammelt. 350.000 Euro stammen aus privaten Investitionen. Zu den Geldgebern zählen der Fonds Outlast Fund sowie der Angel-Investor Linas Sargautis, Mitgründer des litauischen Raumfahrtunternehmens NanoAvionics. Weitere 580.000 Euro kommen aus Verträgen und Fördermitteln der Europäischen Weltraumorganisation, der NATO-Initiative DIANA und der lettischen Regierung.
Investorin Egita Poļanska von Outlast Fund sagt: „Die Raumfahrt-Energietechnik steckte jahrzehntelang in bestimmten Grenzen fest. Jetzt kommen neue Materialien, intelligentere Systeme und echte kommerzielle Nachfrage zusammen.“ Sie spricht von einem „echten Moonshot im wörtlichen Sinn“.
Americium-241 liefert über viele Jahre hinweg kontinuierlich Wärme. Der Generator wandelt diese Wärme in elektrische Energie um. Damit entsteht eine Stromquelle, die unabhängig vom Sonnenlicht arbeitet. Ob das System die angekündigte Effizienz im realen Einsatz erreicht, müssen kommende Entwicklungsphasen zeigen. Klar ist jedoch: Energie aus radioaktivem Abfall könnte künftig eine größere Rolle spielen, wenn Europa seine Präsenz im All ausbaut.
Kurz zusammengefasst:
- Ein lettisches Start-up entwickelt einen Generator auf Basis von Atomenergie, der aus radioaktivem Abfall (Americium-241) Strom erzeugt und mit rund 80 Prozent weniger Brennstoff auskommen soll als bisherige Systeme.
- Atomenergie könnte bei Mondmissionen Satelliten und Rover zuverlässig versorgen, selbst während der 354 Stunden langen Mondnacht ohne Sonnenlicht.
- Weniger radioaktives Material senkt Gewicht und Startkosten deutlich und stärkt damit Europas Raumfahrt wirtschaftlich und strategisch.
Übrigens: Während Europa über Atomenergie für Mondmissionen nachdenkt, sieht Elon Musk das nächste Energieproblem schon auf der Erde – KI-Rechenzentren stoßen dort an ihre Stromgrenzen. Deshalb will er Rechenleistung ins All verlagern, wo Solarenergie dauerhaft verfügbar ist. Mehr dazu in unserem Artikel.
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