Wenn Kinder nachts plötzlich nach Luft ringen – was hinter Krupphusten steckt
Die Stiftung Kindergesundheit warnt: Krupphusten zählt zu den häufigsten Ursachen nächtlicher Atemnot bei kleinen Kindern.
Was wie eine ruhige Nacht beginnt, kann durch einen Krupphustenanfall plötzlich zu einer beängstigenden Situation werden. © Unsplash
Wenn die Nächte kälter werden, häufen sich Atemwegsinfekte. Besonders oft trifft es kleine Kinder. Eine Erkrankung sorgt bei Eltern regelmäßig für Angst: Krupphusten. Der Husten kommt meist plötzlich, klingt rau und bellend, und die Atmung wirkt angestrengt.
Laut der Stiftung Kindergesundheit zählt die Virusinfektion zu den häufigsten Ursachen für nächtliche Atemnot im Kindesalter. Betroffen sind vor allem Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren, häufig im zweiten Lebensjahr. Trotz der beunruhigenden Symptome verläuft Krupphusten in den meisten Fällen harmlos. Entscheidend ist, dass Eltern die Anzeichen kennen und wissen, wie sie richtig reagieren.
Warum Krupphusten meist nachts auftritt
Krupphusten, auch Pseudokrupp genannt, entsteht durch eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfs und der oberen Luftröhre. Dabei schwellen die Schleimhäute an und verengen die Atemwege. Der Kinderarzt und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, Professor Berthold Koletzko, erklärt: „Während diese Viren bei den meisten Kindern zu einer normalen Erkältung führen, lösen sie bei den dafür besonders Anfälligen den typischen Krupp-Anfall aus.“
Besonders nachts werden die Beschwerden stärker. Im Liegen staut sich Schleim, die Schwellung nimmt zu, und das Atmen fällt schwerer. Viele Eltern erleben dann plötzlich einen lauten Hustenanfall mitten in der Nacht – ohne Vorwarnung.
Der quälende Krupphusten ist zwar fast immer gutartig, leider aber auch unberechenbar. Eltern sollten daher wissen, wie sie reagieren können – das ist das Entscheidende.
Typische Symptome des Krupphustens
Charakteristisch ist der bellende Husten, der sich deutlich von einem Reizhusten unterscheidet. Er klingt hart, tief und fast metallisch. Professor Koletzko beschreibt ihn so: „Es ist ein tiefer Husten mit harten, rauen und bellenden Tönen, die an das Bellen von Seehunden oder an das Blöken von Schafen erinnern – daher auch die volkstümliche Bezeichnung ‚Schafshusten’.“ Zusätzlich treten oft folgende Symptome auf:
- Heiserkeit
- Pfeifende Atemgeräusche beim Einatmen (Stridor)
- Fieber und laufende Nase
- Atemnot und Unruhe
Kinder reagieren häufig verängstigt, wenn sie schlechter Luft bekommen, manche zittern oder weinen. In dieser Situation zählt vor allem eines: Ruhe bewahren. Angst und Aufregung verschlimmern die Atemnot. Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt einfache, aber wirksame Maßnahmen:
- Aufrechte Haltung: Das Kind auf den Arm nehmen: So kann es nicht nur besser atmen, sondern wird auch getröstet und beruhigt.
- Kühle Luft: Fenster öffnen oder kurz auf den Balkon gehen. Die kalte, feuchte Nachtluft hilft, die Atemwege zu beruhigen.
- Feuchte Luft: Bei Smog oder Nebel eignet sich feuchte Luft aus dem Badezimmer: Heißes Wasser laufen lassen, bis Dampf entsteht, und das Kind in aufrechter Haltung einatmen lassen.
- Trick aus der Küche: Hilfreich kann auch kalte Luft aus dem Kühlschrank sein – einfach die Tür öffnen und das Kind kurz davor atmen lassen.
- Kalte Getränke: Nach einem Anfall kann ein Glas kaltes Wasser den Hustenreiz lindern.
Hustenmittel bringen in der Regel keinen Nutzen, weil die Entzündung tiefer sitzt. Viel wichtiger sind Ruhe, Geduld und frische Luft.
Wann ein Arzt gerufen werden sollte
In den meisten Fällen klingt ein Kruppanfall nach einigen Stunden ab. Es gibt jedoch Anzeichen, bei denen sofort ärztliche Hilfe nötig ist:
- Das Kind atmet schnell oder unregelmäßig.
- Die Lippen oder das Gesicht verfärben sich bläulich.
- Es wirkt erschöpft oder sehr unruhig.
- Die Atemgeräusche werden stärker oder halten länger an.
Ein Arzt kann Medikamente verabreichen, die die Schwellung der Atemwege verringern und die Atmung erleichtern. Eltern sollten sich nicht scheuen, im Zweifel den Notdienst zu rufen.
Wiederkehrende Anfälle sind möglich
Krupphusten führt nicht zu einer dauerhaften Immunität. Kinder können mehrfach erkranken, weil verschiedene Viren ähnliche Reaktionen im Hals auslösen. In der kalten Jahreszeit sind daher wiederholte Anfälle keine Seltenheit.
Eltern können jedoch beruhigt sein: Mit zunehmendem Alter verschwinden die Beschwerden fast immer. Nach dem dritten Geburtstag werden die Anfälle meist schwächer, ab etwa sechs Jahren hören sie in der Regel auf. Grund ist das Wachstum – der Kehlkopf wird größer, die Atemwege werden weiter, und die Schleimhaut reagiert weniger empfindlich.
Kurz zusammengefasst:
- Krupphusten ist eine häufige Virusinfektion bei Kindern zwischen sechs Monaten und sechs Jahren, die vor allem nachts auftritt und durch einen bellenden, rauen Husten mit pfeifender Atmung gekennzeichnet ist.
- In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung harmlos – kühle, feuchte Luft, Ruhe und aufrechte Haltung helfen oft besser als Medikamente, um die Atmung zu erleichtern.
- Eltern sollten ärztliche Hilfe suchen, wenn das Kind Atemnot, blaue Lippen oder starke Erschöpfung zeigt – mit dem Wachstum verschwinden die Anfälle meist von selbst.
Übrigens: Ein Husten, der bei Kleinkindern einfach nicht abklingen will, kann auf eine unterschätzte Infektion hinweisen – und die Lunge dauerhaft belasten. Mehr dazu in unserem Artikel.
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