Forscher erzeugen krebsbekämpfende Immunzellen direkt im Körper 

Eine neue Form der CAR-T-Zelltherapie wirkt direkt im Körper: Tumoren verschwinden in Tierversuchen binnen zwei Wochen.

Eine neue Form der CAR-T-Zelltherapie wirkt direkt im Körper: Tumoren verschwinden in Tierversuchen binnen zwei Wochen.

Bei der CAR-T-Zelltherapie greift eine programmierte T-Zelle (orange) gezielt eine Krebszelle (blau) im Körper an. © Alex Ritter/UCSF

Seit Jahren gehört die CAR-T-Zelltherapie zu den wirksamsten Behandlungen gegen bestimmte Blutkrebsarten. Der Weg dorthin ist jedoch aufwendig: Ärzte entnehmen Immunzellen, lassen sie in spezialisierten Laboren genetisch verändern und bringen sie später wieder zurück in den Körper. Dieser Prozess ist kompliziert und dauert Wochen.

Jetzt haben Forschende der University of California San Francisco eine Methode entwickelt, die diesen Ablauf grundlegend vereinfacht. Sie programmieren die Abwehrzellen direkt im Körper um und umgehen damit den bisher nötigen Umweg über das Labor. Die Studie zu diesem neuen Ansatz erschien im Fachjournal Nature.

CAR-T-Zelltherapie entsteht im Körper und ersetzt den Laborprozess

Der bisherige Prozess dauert oft mehrere Wochen. Die Kosten liegen bei etwa 400.000 bis 500.000 Dollar. Zusätzlich erhalten viele Patienten eine Chemotherapie, um Platz für die neuen Zellen zu schaffen. Die Therapie gilt zwar als wirksam, bleibt aber wegen Aufwand, Kosten und begrenzter Therapiezentren für viele Patienten weltweit unerreichbar. „Es ist ein globales Zugangsproblem geworden“, sagt Studienleiter Justin Eyquem.

Die neue Methode soll bessere Bedingungen schaffen. Das Team der UCSF entwickelte ein System aus zwei Bausteinen. Diese bringen gezielt genetische Informationen direkt in T-Zellen im Körper ein. Dabei kommt eine Technik zum Einsatz, die wie eine präzise „Gen-Schere“ funktioniert. Sie sorgt dafür, dass neue DNA an einer genau festgelegten Stelle eingefügt wird. Das gilt als sicherer als frühere Verfahren, bei denen Gene teilweise zufällig eingebaut wurden.

Neue Technik verändert Immunzellen gezielt

Die beiden Bestandteile der Therapie übernehmen klare Aufgaben. Einer transportiert das Werkzeug zur Genveränderung, bekannt als CRISPR-Cas9, direkt in die T-Zellen. Der zweite bringt den Bauplan für die neue Krebs-Erkennung.

Die Veränderung erfolgt nur in T-Zellen. Andere Zellen bleiben unberührt. Das soll das Risiko unerwünschter Effekte senken. Weil der aufwendige Zwischenschritt im Labor entfällt, hat die Zuverlässigkeit der Methode höchste Priorität. „Im Labor können wir Zellen genau prüfen“, sagt Eyquem. „Im Körper geht das nicht. Deshalb mussten wir die Methode von Anfang an sehr präzise entwickeln.“

Tumoren verschwinden schnell – auch bei schwer behandelbaren Krebsarten

Die Ergebnisse aus den Versuchen fallen deutlich aus. In Mäusen mit aggressiver Leukämie verschwand der Krebs nach einer einzigen Behandlung bei fast allen Tieren. Der Effekt zeigte sich innerhalb von zwei Wochen.

Auch andere Krebsarten reagierten. Beim multiplen Myelom erreichten alle behandelten Tiere eine vollständige Remission. Besonders auffällig ist die Wirkung bei festen Tumoren. Diese gelten bislang als schwer zugänglich für CAR-T-Behandlungen.

Immunzellen bleiben stärker und vermehren sich besser

Ein weiterer Vorteil zeigt sich bei der Qualität der Zellen. „Besonders bemerkenswert ist, dass die Zellen im Körper besser aussehen als im Labor“, sagt Eyquem. „Sie behalten ihre Fähigkeit zur Vermehrung.“

Nach einer Woche lag die Zellvermehrung deutlich höher. Nach zwei Wochen verstärkte sich dieser Effekt weiter.

Neue CAR-T-Zelltherapie senkt Kosten und erweitert Zugang

Dieser Ansatz könnte die Therapie grundlegend verändern. Kliniken ohne Speziallabore könnten solche Behandlungen künftig anbieten. Wartezeiten würden entfallen. Auch die Kosten könnten sinken. „Wenn sich das auf Menschen übertragen lässt, könnten wir Kosten senken und Wartezeiten vermeiden“, sagt Eyquem. „Das würde den Zugang zu dieser Therapie deutlich erweitern.“

Langfristig zielt die Forschung auf eine standardisierte Therapie ab. Eine einzelne Injektion könnte ausreichen, um das Immunsystem gegen Krebs zu aktivieren.

Forschende der University of California San Francisco erzeugen CAR-T-Zellen direkt im Körper, die Krebszellen gezielt angreifen. © UC San Francisco (UCSF) via YouTube

Kurz zusammengefasst:

  • Eine neue Form der CAR-T-Zelltherapie erzeugt Immunzellen erstmals direkt im Körper und ersetzt den aufwendigen Umbau im Labor.
  • Die Methode arbeitet präziser, verändert gezielt T-Zellen und zeigte in Tiermodellen sehr hohe Erfolgsraten, etwa vollständige Tumorrückbildung in kurzer Zeit.
  • Der Ansatz könnte Behandlungen deutlich schneller, günstiger und breiter verfügbar machen, muss jedoch noch in klinischen Studien am Menschen geprüft werden.

Übrigens: Nicht nur das Immunsystem entscheidet über schwere COVID-Verläufe im Alter – auch das Lungengewebe selbst treibt Entzündungen aktiv an und verstärkt Schäden. Neue Studien zeigen, warum diese Prozesse außer Kontrolle geraten können. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Alex Ritter/UCSF

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