Brustkrebs: Bluttest zeigt schon nach vier Wochen, ob eine Therapie wirkt

Ein Bluttest misst früh Tumor-DNA im Blut und zeigt bereits nach wenigen Wochen, ob eine Brustkrebs-Therapie wirksam ist oder kaum Erfolg hat.

Krebszellen unter dem Mikroskop

Krebszellen unter dem Mikroskop: Ihre Erbgutspuren im Blut geben früh Hinweise darauf, ob eine Brustkrebs-Therapie wirkt. © Unsplash

Bei fortgeschrittenem Brustkrebs zeigt sich oft früh, wie sich die Krankheit weiterentwickelt. Therapien beginnen schnell, doch ob sie tatsächlich greifen, bleibt lange unklar. Bildgebende Untersuchungen liefern meist erst nach Monaten verlässliche Antworten. In dieser Zeit erhalten Patientinnen Medikamente, die wirken können – oder eben nicht. Nun kann bereits ein einfacher Bluttest zeigen, ob eine Therapie anschlägt.

Der Bluttest sucht nach winzigen Spuren von Erbgut, die Tumorzellen ins Blut abgeben. Diese Fragmente geben Hinweise darauf, wie aktiv die Erkrankung ist. Gehen die Werte rasch zurück oder verschwinden ganz, spricht das für eine wirksame Behandlung. Bleiben sie erhöht, entwickelt sich die Krankheit meist schneller weiter – so beschreibt es eine aktuelle Auswertung des Institute of Cancer Research (ICR).

Bluttest liefert frühe Bewertung für Brustkrebs-Therapie

Ausgewertet wurden Blutproben von 167 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Brustkrebs. Die Analyse erfolgte direkt vor Beginn der Behandlung und erneut nach vier Wochen. Anschließend wurde verglichen, wie sich die gemessenen Werte zur weiteren Entwicklung der Erkrankung verhielten.

Das Ergebnis ist deutlich. Bereits die Ausgangswerte lieferten Hinweise auf den späteren Verlauf. Noch aussagekräftiger war jedoch der zweite Test nach einem Monat. War zu diesem Zeitpunkt keine Tumor-DNA mehr im Blut nachweisbar, blieb die Erkrankung oft über viele Monate stabil.

In Fällen mit nach wie vor messbaren Werten wuchs der Krebs deutlich schneller weiter. „Ein einfacher Bluttest kann früh und zuverlässig anzeigen, ob eine Behandlung bei metastasiertem Brustkrebs wirkt oder ob ein anderer Ansatz nötig ist“, sagt Studienleiter Nicholas Turner.

Besonders klar zeigte sich dieser Zusammenhang bei einer aggressiven Unterform: dem triple-negativen Brustkrebs. Diese Variante lässt sich weder hormonell noch über bestimmte Rezeptoren behandeln. Entsprechend begrenzt sind die therapeutischen Möglichkeiten. Umso relevanter ist ein Instrument, das früh erkennen lässt, ob eine Therapie überhaupt anschlägt.

Deutliche Unterschiede beim Krankheitsverlauf

Bei triple-negativem Brustkrebs blieb die Erkrankung im Durchschnitt gut zehn Monate unter Kontrolle, wenn die Tumor-DNA vor Beginn der Behandlung niedrig war. Bei hohen Ausgangswerten lag dieser Zeitraum bei rund viereinhalb Monaten. Noch stärker fiel der Unterschied nach vier Wochen aus. War die Tumor-DNA dann nicht mehr nachweisbar, blieb das Tumorwachstum im Mittel ein Jahr lang gebremst. Bei weiterhin messbaren Werten betrug dieser Zeitraum etwas mehr als vier Monate.

Auch die tatsächliche Reaktion auf die Therapie unterschied sich massiv. In der Gruppe ohne nachweisbare Tumor-DNA sprachen mehr als 85 Prozent auf die Behandlung an. Bei weiterhin messbaren Werten lag dieser Anteil bei gut elf Prozent. Tumoren schrumpften seltener oder blieben nicht stabil.

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei anderen Formen der Erkrankung, etwa bei hormonabhängigem Brustkrebs mit bestimmten genetischen Veränderungen. Auch hier ging ein rascher Rückgang der Tumor-DNA mit deutlich besseren Ergebnissen einher.

Drei Zustände, klare Prognosen

Aus den Daten lassen sich drei typische Verläufe ableiten. In der ersten Gruppe bleibt die Tumor-DNA hoch. Hier schreitet die Erkrankung meist rasch voran. In der zweiten Gruppe sinken die Werte, bleiben aber nachweisbar. Der Verlauf ist oft moderat. In der dritten Gruppe verschwindet die Tumor-DNA vollständig. Diese Patientinnen haben die besten Aussichten, unabhängig von der eingesetzten Medikamentenklasse.

Für die Behandlungspraxis ist diese Einteilung bedeutsam. Sie erlaubt eine frühe Einschätzung, ob ein eingeschlagener Weg sinnvoll ist oder angepasst werden sollte. Bislang beruhen solche Entscheidungen oft auf späteren Befunden, wenn wertvolle Zeit bereits vergangen ist.

Noch gehört der Test nicht zur Routine. Größere Studien sollen klären, wie zuverlässig er in verschiedenen Therapiesituationen funktioniert. Ziel ist es, die Messung früh in Behandlungsabläufe einzubauen. Statt monatelang abzuwarten, könnte schon nach wenigen Wochen eine belastbare Einschätzung vorliegen.

Kurz zusammengefasst:

  • Ein einfacher Bluttest kann bereits nach wenigen Wochen zeigen, ob eine Therapie bei fortgeschrittenem Brustkrebs wirkt. Gemessen wird zirkulierende Tumor-DNA, die Rückschlüsse auf die Aktivität der Erkrankung erlaubt.
  • Sinkt diese Tumor-DNA stark ab oder verschwindet ganz, bleibt der Krebs oft deutlich länger unter Kontrolle. Bleiben die Werte hoch, schreitet die Erkrankung meist schneller voran und spricht seltener auf die Behandlung an.
  • Die Auswertung von 167 Betroffenen zeigt damit früh, wer von einer Therapie profitiert und bei wem ein Wechsel sinnvoll sein könnte.

Übrigens: Während neue Bluttests bei Brustkrebs schon nach Wochen zeigen, ob eine Therapie wirkt, belegen aktuelle Krebszahlen aus Deutschland einen langfristigen Trend: Trotz hoher Fallzahlen überleben heute deutlich mehr Menschen ihre Diagnose. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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