Zwölf Paar Schuhe bis zur Grundschule – Mitwachsender Kinderschuh soll Neukäufe sparen
Bis zur Einschulung brauchen Kinder im Schnitt zwölf Paar Schuhe. Ein Kölner Start-up entwickelt ein Modell, das mehrere Größen abdeckt.
Der mitwachsende Kinderschuh des Kölner Start-ups Sizeless lässt sich in der Länge verstellen und soll mehrere Größen bis zur Grundschule abdecken. © Sizeless
Kinderschuhe werden für viele Familien schnell zum Dauerposten. Kinderfüße wachsen rasant – oft passen neue Schuhe nur wenige Monate. Bis zur Einschulung kommen im Schnitt rund zwölf Paar zusammen. Für Familien summieren sich die Kosten dabei schnell auf mehrere hundert Euro. Ein Start-up aus Köln will das nun ändern: Sizeless arbeitet an einem Kinderschuh, der mitwächst und mehrere Größen abdecken soll – damit Eltern nicht ständig neue kaufen müssen.
Die Idee entstand an der Deutschen Sporthochschule Köln. Drei Studierende entwickelten dort einen verstellbaren Schuh, dessen Länge sich anpassen lässt. Ihr Ziel: weniger Kosten, längere Nutzung und trotzdem gesunde, stabil gestützte Kinderfüße.
Mitwachsender Kinderschuh gegen ständige Neuanschaffung
Kinderfüße wachsen in Schüben. Besonders im Vorschulalter kann sich die Schuhgröße innerhalb weniger Monate verändern. Eltern kennen die Situation:
- Die Schuhe sind noch intakt, passen aber plötzlich nicht mehr.
- Neue Modelle müssen oft kurzfristig gekauft werden.
- Günstige Alternativen können Druckstellen oder Fehlstellungen begünstigen.
Immer wieder neue Schuhe kaufen zu müssen ist deshalb für viele Familien die Devise. „Das ist teuer, zeitaufwändig und auch aus ökologischer Sicht problematisch“, sagt Mitgründer Alexander Schemel. „Wir wollten herausfinden, ob es dafür eine bessere Lösung geben kann.“ Mit seiner technischen Lösung will das Kölner Team dieses Problem angehen.
Ein Mechanismus in der Sohle passt die Größe an
Äußerlich wirkt der Schuh wie ein normaler Turnschuh. Der entscheidende Unterschied steckt im Inneren der Sohle. Dort sitzt ein Mechanismus, mit dem sich die Länge von außen verstellen lässt. Das System ist vollständig in die Sohlenstruktur integriert und kommt nicht mit dem Fuß in Kontakt.
Bei der Entwicklung arbeiteten die Studierenden mit Fachleuten aus dem Umfeld des Instituts für Biomechanik und Orthopädie zusammen. Der Schuh soll stabil bleiben, auch wenn sich seine Größe verändert. Gleichzeitig muss er flexibel genug sein, damit sich Kinderfüße natürlich bewegen können. Die Technik hinter dem System wurde bereits zum Patent angemeldet. Zusätzlich schützt ein Gebrauchsmuster die Entwicklung. Damit sichern die Gründer ihre Idee rechtlich ab.
Komfort, Schutz und längere Nutzung
Eltern sollten bei Kinderschuhen vor allem auf eine gute Passform und sicheren Halt achten. Zu kleine oder schlecht sitzende Schuhe können Druckstellen verursachen. Auch Fehlbelastungen sind möglich. Deshalb arbeitet der verstellbare Mechanismus ausschließlich in der Sohle. Für den Fuß bleibt der Innenraum unverändert.
Die Entwickler verfolgen drei zentrale Ziele:
- Mehrere Schuhgrößen in einem Modell ermöglichen
- Komfort und Fußgesundheit erhalten
- Die Nutzungsdauer deutlich verlängern
Ein mitwachsender Kinderschuh muss dabei mehr leisten als nur verstellbar zu sein. Er soll den Fuß im Alltag zuverlässig stützen und zugleich Bewegungsfreiheit lassen.
Vom Hochschulprojekt zum Start-up
Aus dem Studienprojekt entstand das Unternehmen Sizeless. Das Team wird vom Transfer- und Gründungsbereich der Deutschen Sporthochschule Köln begleitet. Dort erhalten junge Gründer Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells.
Sizeless nahm außerdem am Inkubator-Programm der Hochschule teil. Zusätzlich gehört das Projekt zum Verbund der Gateway Hochschulen Köln. Dazu zählen neben der Sporthochschule auch die Universität zu Köln, die TH Köln, die Rheinische Hochschule Köln und die CBS International Business School. Gefördert wird das Vorhaben im Rahmen des EXIST-Programms.
Anja Chevalier, Leiterin der Abteilung Transfer und Gründung, erklärt: „Wenn aus Ideen von Studierenden tragfähige Geschäftsmodelle entstehen, zeigt das, wie wichtig Transfer und Gründungsförderung an Hochschulen sind.“ Über das Projekt sagt sie: „Sizeless ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem Studienprojekt durch wissenschaftliche Zusammenarbeit, Beratung und Förderprogramme ein Start-up entstehen kann.“
Crowdfunding soll erste Serie finanzieren
Am 16. März startet das Team eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter. Mit dem eingesammelten Geld will das Start-up die erste Produktionsserie finanzieren. Gleichzeitig dient die Kampagne als Praxistest: Sie zeigt, wie groß das Interesse an einem größenverstellbaren Kinderschuh tatsächlich ist.
Ob sich das Konzept langfristig durchsetzt, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind vor allem Preis, Haltbarkeit und Alltagstauglichkeit.
Kurz zusammengefasst:
- Kinder benötigen bis zur Einschulung im Schnitt rund zwölf Paar Schuhe, weil ihre Füße schnell wachsen – das belastet Familien finanziell und führt zu unnötigem Ressourcenverbrauch.
- Ein mitwachsender Kinderschuh aus Köln soll dank eines geschützten Mechanismus in der Sohle mehrere Größen abdecken und häufige Neukäufe reduzieren. ohne den Fuß zu beeinträchtigen.
- Ziel des Konzepts ist es, mehrere Größen in einem Schuh zu vereinen, Komfort und Fußgesundheit zu erhalten und durch eine Crowdfunding-Kampagne die erste Produktion zu finanzieren.
Übrigens: Der Geburtsmonat kann im Klassenverband über Essgewohnheiten und Übergewicht mitentscheiden. Eine europaweite Analyse mit rund 600.000 Jugendlichen zeigt, dass die Jüngsten eines Jahrgangs messbar häufiger übergewichtig sind. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Sizeless
