China lässt KI nach Rohstoffen suchen – aus sechs Monaten wird eine Woche
China setzt KI bei der Rohstoffsuche ein. Eine Auswertung, die bislang sechs Monate dauerte, soll damit in einer Woche möglich sein.
Chinas neue KI soll die Suche nach Rohstoffen deutlich beschleunigen und aussichtsreiche Gebiete schneller eingrenzen. © Pexels
Gold, Kupfer und Lithium stecken in Stromnetzen, Elektroautos und Batterien – doch neue Lagerstätten zu finden, ist noch immer eine Art Suche nach der Nadel im geologischen Heuhaufen. Geologen müssen Satellitenbilder, Gesteinsproben und Messdaten aus riesigen Gebieten miteinander vergleichen, bevor sie überhaupt wissen, wo sich eine teure Probebohrung lohnen könnte. Was dabei besonders knapp ist, ist nicht nur der Rohstoff: Es ist Zeit.
China will diesen Flaschenhals nun mit künstlicher Intelligenz verkleinern. Die China Geological Survey setzt dafür bei der Rohstoffsuche auf KI: Das neue System AI-OreSeeking wertet geologische Daten automatisiert aus und grenzt Gebiete ein, in denen sich weitere Untersuchungen lohnen könnten.
Wie die staatlich chinesische Zeitung Global Times unter Berufung auf die China Geological Survey berichtet, soll AI-OreSeeking eine mineralogische Vorhersage und Bewertung, die bislang bis zu sechs Monate beanspruchte, innerhalb einer Woche erledigen können.
KI kombiniert bei der Rohstoffsuche Millionen geologische Informationen
Der entscheidende Unterschied liegt weniger in einer völlig neuen Messmethode als darin, wie viele Informationen AI-OreSeeking gleichzeitig verarbeiten kann. Das System greift auf Millionen Einträge eines geologischen Wissensgraphen zurück und kombiniert sie mit mehr als 200 Algorithmen für unterschiedliche Analyseverfahren.
Einbezogen werden unter anderem:
- geologische Karten und bekannte Lagerstättenmodelle
- Messungen von Schwerkraft, Magnetfeldern und elektrischen Eigenschaften des Untergrunds
- geochemische Daten sowie Satelliten- und andere Fernerkundungsaufnahmen
Aus diesen Informationen erstellt die KI ein Modell der untersuchten Region. Sie kann Strukturen im Untergrund rekonstruieren, aussichtsreiche Gebiete markieren und daraus Ziele für weitere Untersuchungen ableiten. Damit soll sie vor allem eine Frage schneller beantworten: Wo lohnt sich eine genauere Suche?
Goldsuche im Qinling-Gebirge liefert ersten Praxistest
Wie das im größeren Maßstab funktioniert, demonstrierten die Entwickler im westlichen Qinling-Gebirge. Dort analysierte AI-OreSeeking innerhalb von fünf Tagen 32 geologische Kartenblätter im Maßstab 1:50.000.
Am Ende standen zwei konkrete Ziele für die weitere Goldexploration sowie vier größere Gebiete, die für weitere Untersuchungen als besonders interessant eingestuft wurden.
Über den gesamten Arbeitsablauf hinweg soll die Effizienz um mehr als 60 Prozent steigen. Mittlerweile wurde AI-OreSeeking nach Angaben der Behörde in mehr als 100 Projekten in über zehn chinesischen Regionen eingesetzt.
Dabei geht es längst nicht nur um Gold. Das System ist für die Exploration zahlreicher fester Rohstoffe ausgelegt, darunter Eisen, Kupfer, Aluminium, Lithium, Kobalt, Nickel, Blei, Zink, Chrom, Kali und Uran.
Die KI bestätigt noch keine Lagerstätte
Der gewaltige Zeitgewinn hat allerdings eine klare Grenze. AI-OreSeeking kann Gebiete markieren, in denen die geologischen Voraussetzungen für ein Rohstoffvorkommen günstig erscheinen. Ob dort tatsächlich genügend Erz liegt und sich ein Abbau wirtschaftlich lohnt, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Dafür bleiben klassische Methoden unverzichtbar. Geologen müssen die ausgewählten Gebiete vor Ort untersuchen, Proben nehmen und schließlich bohren. Erst solche Arbeiten können klären, was tatsächlich im Untergrund steckt.
Der Vorteil liegt damit vor der eigentlichen Bohrung: Geologen können große Suchgebiete früher eingrenzen und ihre Untersuchungen auf jene Stellen konzentrieren, an denen mehrere Hinweise für eine Lagerstätte sprechen.
Gerade bei tiefer liegenden Vorkommen kann das entscheidend sein. An der Oberfläche fehlen dort oft eindeutige Hinweise, während geophysikalische und geochemische Messungen nur einzelne Informationen liefern. Die KI soll daraus schneller ein belastbares Gesamtbild formen.
Zweites KI-System soll geologische Karten schneller erstellen
Parallel stellte die China Geological Survey AI-GeoMapping vor. Das System verbindet Satelliten-, Luft- und Bodendaten und soll geologische Karten automatisiert erstellen und aktualisieren.
Nach Angaben der Entwickler erkennt es geologische Körper mit einer Gesamtgenauigkeit von mehr als 90 Prozent. Datenverarbeitung, Analyse und Kartenerstellung sollen sich dadurch um mehr als 50 Prozent beschleunigen.
Getestet wurde AI-GeoMapping bereits auf fast 100 Kartenblättern in verschiedenen Regionen Chinas. Anwendungen gab es außerdem in Ländern wie Marokko, Saudi-Arabien und Laos.
Für beide Systeme gilt jedoch dieselbe wichtige Einschränkung: Die bislang veröffentlichten Leistungswerte stammen von der China Geological Survey und anderen chinesischen Behörden. Eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung, die die genannten Zeitgewinne und Genauigkeitswerte unter vergleichbaren Bedingungen überprüft, wurde mit der Präsentation der Systeme nicht veröffentlicht.
Kurz zusammengefasst:
- Chinas AI-OreSeeking soll Rohstoffprognosen von sechs Monaten auf eine Woche verkürzen.
- Bei der Goldsuche analysierte die KI 32 Kartenblätter innerhalb von fünf Tagen.
- Die KI grenzt aussichtsreiche Gebiete ein – bestätigen müssen Lagerstätten weiterhin Geologen und Probebohrungen.
Übrigens: China versucht nicht nur, neue Rohstofflager schneller zu finden, sondern auch alte Bergbau-Rückstände wieder nutzbar zu machen. Wie aus Abraum mit nur elf Prozent Eisen ein Konzentrat mit 65 Prozent Eisengehalt entsteht, lesen Sie in unserem Artikel.
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