„Sowas habe ich noch nie gesehen“: Forscher finden 70 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Eier
In Südfrankreich wurden über 100 Dinosaurier-Eier entdeckt. Der Fund könnte das Aussterben der Reptilien neu erklären.
Bei Ausgrabungen in Mèze haben Paläontologen mehr als 100 versteinerte Dinosaurier-Eier freigelegt. Die neuen Funde stammen aus einem Bereich, der bislang kaum untersucht war. © Musée-Parc des Dinosaures Mèze
Mehr als 100 Dinosaurier-Eier, fast so groß wie kleine Melonen, lagen Millionen Jahre lang verborgen im Süden Frankreichs. Nun haben Paläontologen sie freigelegt – und der Fund erzählt womöglich weit mehr als nur von riesigen Pflanzenfressern der Kreidezeit. Die Eier könnten Hinweise darauf liefern, dass das Verschwinden der Dinosaurier schon lange vor dem berühmten Asteroideneinschlag begann.
Gefunden wurden die fossilen Gelege in Mèze nahe Montpellier auf dem Gelände des Musée-Parc des Dinosaures. Für Alain Cabot ist der Ort kein neuer Fundplatz: Der Geologe und Paläontologe hatte dort bereits vor rund 30 Jahren erste Dinosaurier-Eier entdeckt. Nun suchte er gemeinsam mit seiner Tochter Marina in einem bislang kaum untersuchten Bereich weiter nach Spuren aus der Oberkreide. Laut der französischen Zeitung Gazette de Montpellier stammen die neuen Funde aus einer Zeit vor mehr als 70 Millionen Jahren.
„Bis jetzt fanden wir Nester mit vier oder sechs Eiern, höchstens zehn. Aber hundert… so etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt Cabot laut dem Bericht.
Dinosaurier-Eier lagen in großen Nestfeldern
Die Eier haben ungefähr den Durchmesser eines kleinen Fußballs. Viele davon lagen dicht nebeneinander, fast wie in großen Brutkolonien. Solche Anordnungen sind für Fachleute besonders interessant, weil sie viel über das Verhalten der Tiere verraten können.
Die wahrscheinlichsten Verursacher dieser Gelege sind Titanosaurier – große Pflanzenfresser auf vier Beinen und mit langem Hals. Manche Arten wurden bis zu zwölf Meter lang, andere sogar noch größer. Laut BBC konnten einige Tiere rund 15 Meter messen und zwischen 15 und 20 Tonnen wiegen.
Schon früher hatte man an der Fundstelle Knochenreste dieser Gruppe entdeckt. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass auch die Eier von ihnen stammen.
Titanosaurier kehrten wohl immer wieder zurück
Ganz sicher ist die Zuordnung trotzdem nicht. Rund 95 Prozent der Eier waren bereits geschlüpft. Embryonen, mit denen sich eine Art klar bestimmen ließe, fehlen fast vollständig. Deshalb bleibt nur der Vergleich mit anderen Fossilien.
Untersuchungen der Universität Montpellier deuten auf mindestens zehn verschiedene Arten hin. Einige davon ähneln Funden aus Patagonien in Argentinien. Das spricht dafür, dass in dieser Region über lange Zeit verschiedene Dinosaurier ihre Nester anlegten.

Zur späten Kreidezeit sah Südfrankreich völlig anders aus als heute. Spanien, Portugal und der Süden Frankreichs bildeten damals eine Inselwelt. Viele Dinosaurier nutzten offenbar immer wieder dieselben Nistplätze – ähnlich wie heutige Meeresschildkröten oder manche Vogelarten.
Wer einmal einen sicheren Brutplatz gefunden hatte, kam offenbar Jahr für Jahr zurück. Dadurch entstanden große Felder mit vielen Gelegen dicht nebeneinander.
Dinosaurier-Eier werfen neue Fragen zum Aussterben auf
Besonders auffällig ist aber nicht nur die Menge der Eier, sondern das Gestein rundherum. Die Sedimentschichten erzählen eine zweite Geschichte – und die betrifft das Ende der Dinosaurier.
Mit magnetostratigrafischen Analysen untersuchten Fachleute die Ablagerungen rund um die Fundstelle. Dabei zeigte sich, dass die Zahl der Arten, die dort Eier ablegten, schon lange vor dem Asteroideneinschlag zurückging.
Der Einschlag vor rund 66 Millionen Jahren gilt bis heute als Hauptgrund für das Aussterben der Dinosaurier. Cabot vermutet jedoch, dass der Niedergang schon deutlich früher begonnen hatte. Statt eines plötzlichen Endes könnte es also ein langsamer Rückgang gewesen sein. Der Asteroid wäre dann nicht der alleinige Auslöser gewesen, sondern eher der letzte Schlag für Arten, die bereits unter Druck standen.
„Südfrankreich könnte die größte Lagerstätte der Welt sein“
Das Gelände rund um Mèze umfasst etwa 50 Quadratkilometer. Cabot hält die Region deshalb für eine der bedeutendsten Fundstellen fossiler Eier weltweit – nach dem Gobi-Wüstengebiet in Zentralasien und Montana in Nordamerika.
Er geht sogar noch weiter: „In Südfrankreich gibt es Millionen Eier. Ich glaube, es könnte die größte Lagerstätte der Welt sein“, so seine Einschätzung.
Auch rund um Aix-en-Provence wurden in den vergangenen Jahren etwa tausend Eier entdeckt. Paläontologen gaben der Region deshalb den Spitznamen „Eggs-en-Provence“, ein Wortspiel mit dem Namen der Gegend.
Die große Zahl solcher Funde zeigt, wie wichtig Südfrankreich für die Forschung zur späten Kreidezeit geworden ist. Hier lässt sich nicht nur nachvollziehen, wie Dinosaurier ihre Jungen aufzogen, sondern auch, wie sich ihre Artenvielfalt über Millionen Jahre veränderte.
„Es ist eine außergewöhnliche Lagerstätte, und Generationen von Paläontologen werden sie noch untersuchen“, sagt Cabot im Gespräch mit Times.
Warum die Eier im Boden bleiben sollen
Die neu entdeckten Eier werden nicht ausgegraben und verkauft. Sie bleiben an ihrem ursprünglichen Ort und sollen Teil des Museumsparks in Mèze werden.
Cabot hatte dort bereits 1996 erste Dinosaurier-Eier entdeckt. Kurz danach tauchten Plünderer auf. Um die Fundstelle zu schützen, gründete er 1997 das Museum.
Heute dient das Gelände nicht nur dem Schutz der Fossilien, sondern auch der Forschung. Die Eier bleiben dort, wo sie einst abgelegt wurden – und genau dort könnten sie helfen, eines der größten Rätsel der Erdgeschichte besser zu verstehen.
Kurz zusammengefasst:
- In Südfrankreich wurden mehr als 100 rund 70 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Eier entdeckt, die vermutlich von großen Titanosauriern stammen.
- Die Eier lagen dicht nebeneinander in großen Nestfeldern, was darauf hindeutet, dass die Tiere ihre Brutplätze über viele Jahre immer wieder nutzten.
- Die Gesteinsschichten zeigen außerdem, dass einige Dinosaurierarten schon vor dem Asteroideneinschlag zurückgingen, sodass ihr Aussterben wohl früher begann als lange gedacht.
Übrigens: Nicht nur Dinosaurier-Eier erzählen heute neue Geschichten aus der Urzeit – manchmal reichen sogar jahrzehntealte Fotos für eine Sensation. In Bayern identifizierten Forscher so einen zehn Meter langen Raubsaurier neu, obwohl das Originalfossil seit dem Zweiten Weltkrieg zerstört ist. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Musée-Parc des Dinosaures Mèze
