Artemis 2 bricht Rekord: Menschen sind jetzt weiter von der Erde entfernt als je zuvor

Artemis 2 übertrifft Apollo-13-Rekord: Crew erreicht rund 406.770 km Entfernung zur Erde und fliegt erstmals seit 1972 wieder am Mond vorbei.

Die Artemis-II-Crew nach ihrem historischen Mondvorbeiflug: Jeremy Hansen, Christina Koch, Reid Wiseman und Victor Glover sind bei ihrer Mission weiter von der Erde entfernt als je ein Mensch zuvor.

Die Artemis-II-Crew nach ihrem historischen Mondvorbeiflug: Jeremy Hansen, Christina Koch, Reid Wiseman und Victor Glover sind bei ihrer Mission weiter von der Erde entfernt als je ein Mensch zuvor. © NASA

Mehr als 50 Jahre nach Apollo ist wieder eine Besatzung bis in den Bereich geflogen, in dem die Schwerkraft des Mondes stärker wirkt als die der Erde. Bei Artemis 2 ist die Entfernung zur Erde dabei auf einen Wert gestiegen, den noch kein Mensch zuvor erreicht hat. Das macht die Mission historisch.

Die vierköpfige Crew flog nicht zum Mond, um dort zu landen. Die Orion-Kapsel sollte den Erdtrabanten umrunden, wichtige Systeme testen und dann zur Erde zurückkehren. Der Flug ist die Generalprobe für spätere bemannte Missionen, bei denen Astronauten wieder auf dem Mond landen sollen.

Artemis 2 übertrifft den Rekord bei der Entfernung zur Erde

Den bisherigen Rekord hielt Apollo 13. Damals hatte sich eine Besatzung im April 1970 auf rund 400.200 Kilometer von der Erde entfernt. Artemis 2 übertraf diesen Wert nun deutlich. Nach Angaben der NASA erreichte Orion eine maximale Distanz von rund 406.770 Kilometern. Das sind gut 6.500 Kilometer mehr als beim alten Höchststand.

Damit endet auch eine lange Pause. Seit Apollo 17 im Jahr 1972 war kein Mensch mehr in die Nähe des Mondes geflogen. Artemis 2 knüpft also direkt an jene Epoche an, in der die USA Menschen auf den Mond brachten. Diesmal geht es jedoch zunächst um Technik, Navigation, Kommunikation und Abläufe unter realen Bedingungen.

Vier Astronauten fliegen in historischer Besetzung

An Bord sind Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und der Kanadier Jeremy Hansen. Für Wiseman, Glover und Koch ist es jeweils der zweite Flug ins All. Hansen erlebt seine erste Raumfahrtmission. Auch personell ist die Besatzung bemerkenswert: Koch ist die erste Frau auf einer NASA-Mondmission, Glover der erste schwarze Astronaut auf einem solchen Flug, Hansen der erste Kanadier im Mondraum.

Jeremy Hansen nutzte den Rekordmoment für einen Blick nach vorn. Er sagte: „Wir wählen diesen Moment, um diese Generation und die nächste herauszufordern, sicherzustellen, dass dieser Rekord nicht lange hält.“ Kurz darauf gratulierte das Kontrollzentrum.

Auch aus der Apollo-Zeit kam eine Botschaft: Jim Lovell hatte vor seinem Tod eine Nachricht für die Crew aufgenommen.

„Hallo, Artemis 2. Hier ist Apollo-Astronaut Jim Lovell. Willkommen in meiner alten Nachbarschaft. Als Frank Borman, Bill Anders und ich den Mond mit Apollo 8 umkreisten, bekamen wir den ersten Blick der Menschheit aus nächster Nähe auf den Mond – und einen Blick auf unseren Heimatplaneten, der Menschen auf der ganzen Welt inspirierte und einte. Ich bin stolz, diese Fackel an euch weiterzugeben – während ihr um den Mond schwingt und den Grundstein für Missionen zum Mars legt … zum Nutzen aller. Es ist ein historischer Tag, und ich weiß, wie viel ihr zu tun habt. Aber vergesst nicht, den Blick zu genießen. Also, Reid, Victor, Christina und Jeremy, und allen großartigen Teams, die euch unterstützen: viel Glück und Gottes Segen von uns allen hier auf der guten Erde.“

Vorbeiflug am Mond testet Technik unter echter Belastung

Der Flugverlauf ähnelt einer weiten Schleife um Erde und Mond. Orion trat in den Gravitationseinfluss des Mondes ein und näherte sich ihm bis auf rund 6.546 Kilometer. Dieser Vorbeiflug dauerte mehrere Stunden. In dieser Phase beobachtete die Crew geologische Strukturen auf der Mondoberfläche. Dazu gehörten Krater, Gebirge und Schattenzonen.

Besonders kritisch war der Abschnitt hinter dem Mond. Dort war für etwa 40 Minuten keine Kommunikation mit der Erde möglich, weil der Mond die Funksignale blockierte. Solche Phasen sind für die Raumfahrt entscheidend. Wer Menschen weiter als in die Erdumlaufbahn schicken will, muss zeigen, dass Mannschaft und Technik auch ohne ständigen Kontakt stabil bleiben.

Kurz vor dem Schlafengehen fotografierte die Artemis-II-Crew den Mond aus der Orion-Kapsel. Wenig später zog dessen Schwerkraft das Raumschiff stärker an als die der Erde. © NASA

Die wichtigsten Daten des Flugs zeigen, wie anspruchsvoll Artemis 2 ist

  • Maximale Entfernung zur Erde: rund 406.770 Kilometer
  • Mehr als Apollo 13: gut 6.500 Kilometer
  • Nächster Abstand zum Mond: rund 6.546 Kilometer
  • Funkunterbrechung hinter dem Mond: etwa 40 Minuten
  • Gesamtdauer der Mission: rund 10 Tage

Dazu kam ein Moment, den nur wenige Menschen je erlebt haben: eine Sonnenfinsternis im All. Die Crew sah, wie der Mond die Sonne verdeckte und außen nur noch die Korona zu erkennen war. Beeindruckend war das allemal. Für die NASA noch wichtiger sind aber die Messwerte aus Flugbahn, Funkkontakt und Technik an Bord. An ihnen hängt, ob der nächste Mondflug klappt.

Kurz zusammengefasst:

  • Artemis 2 ist weiter von der Erde entfernt als jede bemannte Mission zuvor: Die Crew erreichte rund 406.770 Kilometer und übertraf damit den Rekord von Apollo 13.
  • Die vier Astronauten landeten nicht auf dem Mond, sondern testeten beim Vorbeiflug, ob Raumschiff, Funkkontakt und Abläufe auch dort funktionieren, wo die Schwerkraft des Mondes stärker zieht als die der Erde.
  • Besonders Daten aus kritischen Momenten – etwa der Funkpause hinter dem Mond und der Annäherung auf rund 6.546 Kilometer – sollen klären, ob der nächste bemannte Mondflug sicher vorbereitet werden kann.

Übrigens: Während Artemis 2 gerade zeigt, wie technisch heikel Flüge zum Mond bleiben, könnte eine neue Technik aus Europa Missionen dort deutlich billiger machen. Ein Generator mit Americium-241 aus Reaktorabfall soll bis zu 80 Prozent Brennstoff sparen und auch in der Mondnacht Strom liefern – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © NASA

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